# Sterbefasten.org – Volltext-Dokumentation (llms-full.txt) ## Metadaten - **Sprache:** Deutsch (Schweizer Hochdeutsch, ohne «ss»-Regelverstösse: Es wird «ss» statt «ss» mit scharfem s verwendet) - **Betreiber:** Stiftung palliacura, Via Pros da God 13, CH-7504 Pontresina (Schweiz), gemeinnützige, unabhängige Schweizer Stiftung, ursprünglich 1988/89 von EXIT (Deutsche Schweiz) gegründet - **Redaktionelle Verantwortung:** Peter Kaufmann (Stiftungsratspräsident palliacura), Mitarbeit: Dr. rer. nat. Christian Walther - **Finanzierung/Betrieb:** palliacura finanziert und betreibt sterbefasten.org seit 2014 - **Zweck der Website:** Vermittlung fundierter Informationen zum Thema Sterbefasten (Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit, FVNF), inklusive weltweit einmaliger FAQ, 25 Fallbeispielen, Basiswissen-Artikeln, Literaturhinweisen und Links - **Stand der Erfassung:** 19. August 2026 - **Adressaten der Inhalte:** Interessierte, Betroffene, Angehörige, Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte sowie Fachpersonen aus Palliative Care - **Wichtiger Hinweis:** Diese Website informiert – sie ersetzt keine ärztliche, pflegerische oder rechtliche Beratung. Die Inhalte werden hier deskriptiv wiedergegeben. --- ## Startseite – https://sterbefasten.org/ Sterbefasten kann eine humane Möglichkeit sein, ohne grosses Leiden selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Oft ergibt sich bei diesem Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF) ein längeres, bereicherndes Abschiednehmen. Diese Webseite vermittelt Interessierten einen breit gefächerten Überblick zum Thema Sterbefasten. Dem Sterbefasten (FVNF) liegt jeweils ein persönlicher, über längere Zeit entstandener und gefestigter Entschluss eines urteilsfähigen Menschen zugrunde, sein Leben vorzeitig zu beenden. Sterbefastende sollten Unterstützung erhalten, in erster Linie durch palliative Pflege. Dies ist eine Aufgabe für Angehörige, Pflegekräfte und medizinische Fachpersonen. Selbstverständlich sollten der Sterbewillige und die Begleitenden gut über das Sterbefasten informiert sein: Eine wichtige Voraussetzung für ein gelingendes Sterbefasten ist die gute Kommunikation, die am besten schon lange vor Beginn des FVNF stattfindet. Informationen dazu liefert diese Website. ### Hinweise zu den wichtigsten Rubriken **Basiswissen:** Oft fehlen die nötigen speziellen Informationen für eine sorgsame und umfassende Begleitung in der besonderen physischen und psychischen Situation des Sterbefastens. In dieser Rubrik zusammengestellt sind deshalb wichtige Informationen und weiterführende Angebote. Sie informieren generell, aber auch speziell aus palliativ-medizinischer Sicht über zahlreiche Aspekte des Themas Sterbefasten. **Fallbeispiele:** In den 25 Fallbeispielen ist zu erfahren, wie individuell ein FVNF ablaufen kann, aber auch, welche Probleme beim Sterbefasten auftreten können. **FAQ:** Die eigens für diese Website erarbeiteten FAQ sind in ihrer Ausführlichkeit weltweit einmalig. In dieser Rubrik finden sich fundierte Antworten auf ethische, juristische, psychologische, medizinische und pflegerische Fragen rund ums Sterbefasten. **Literatur:** In dieser Aufstellung veröffentlichen wir grundlegende Texte und Besprechungen zu massgeblichen Büchern und Publikationen. **Links:** Eine Auswahl an Links führt zu Internet-Seiten, die das Thema Sterbefasten behandeln. Für diese Texte übernimmt sterbefasten.org jedoch keine Verantwortung. --- ## Rubrik Basiswissen (Übersicht) – https://sterbefasten.org/basiswissen Aktuelle Hinweise und Artikel der Rubrik: - **Sterbefasten: Neuer Basiskurs ist online** – Grundlegende Informationen zum Thema Sterbefasten vermittelt ein neuer Webkurs. - **Podcast zum Thema Sterbefasten** – Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit: Traumatherapeutin Bettina Schürch im Gespräch mit Peter Kaufmann. - **Expertenempfehlungen zum Umgang mit dem Sterbefasten** – Neuere Guidelines zum Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit aus den USA und den Niederlanden. - **FVNF aus katholischer Sicht** – «Ethische Perspektiven FVNF» des Caritasverbands Köln. - **Wikipedia-Eintrag «Sterbefasten»: Veraltet und mangelhaft** – Eine Auflistung der Mängel und Ungenauigkeiten. - **Sterbefasten – (FVNF) eine erste Orientierung** – Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF), ein gedrängter Überblick über das Thema von Christian Walther. - **Zur Geschichte des Begriffs «Sterbefasten»** – Eine Chronologie von Christian Walther und Peter Kaufmann. - **Selbstbestimmt zu Ende leben: Sterbefasten** – Was ist wichtig bei der Pflege einer Person, die mit Sterbefasten vorzeitig aus dem Leben scheiden möchte? - **Sterbefasten – Chancen und Grenzen** – Grundsätzliches zu einem guten Altersfreitod. - **«TERMINATION BY DEHYDRATION»** – Die ärztliche Betreuung beim Sterbefasten. Ein Bericht von Chefarzt Dr. med. Alois Haller, Winterthur. - **Sterbefasten bei Demenz?** – Einige Überlegungen zu einer schwierigen Frage. --- ## Steckbrief FVNF – https://sterbefasten.org/basiswissen/steckbrief-fvnf Titel: **Steckbrief FVNF – Verzicht auf Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zur Durchsetzung des eigenen Sterbewillens.** Anmerkungen von Dr. rer. nat. Christian Walther, Marburg. ### Begriffe und Abgrenzungen - **Ärztlicher Ausdruck** (meist): Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (**FVNF**). Nachteil: Kein expliziter Bezug auf das damit bezweckte vorzeitige Sterben; umständlich, aber «neutral». - **Gängiger kurzer Ausdruck:** **Sterbefasten**, vor allem in der Literatur für die Allgemeinheit. Nachteil: Flüssigkeitsverzicht wird nicht angesprochen; Vorwurf: schönfärberisch. Zu unterscheiden sind diese Situationen: - **a)** Eine Person kann noch essen und trinken und entscheidet sich bewusst, Essen und Trinken einzustellen, um zu sterben. Auch Menschen, denen die Nahrung zum Munde gereicht werden muss, gehören zu dieser Fallgruppe. - **b)** Eine Person kann noch essen und trinken und hört nun +/- unbewusst damit auf, mit der Folge, dass sie in absehbarer Zeit versterben wird. - **c)** Eine Person wird bereits künstlich (Sonde, Infusion) versorgt und verlangt ein Beenden der künstlichen Versorgung. - **d)** Eine Person ist in einem gesundheitlichen Zustand, bei dem die Indikation für künstliche Versorgung nicht mehr gegeben ist, da sie dem Tode schon sehr nahe ist oder als sterbend betrachtet wird. Obwohl sich die praktischen Erfahrungen der Gruppen c) und d) mit den anderen Situationen vergleichen lassen, handelt es sich hier nicht um Sterbefasten im engeren Sinn. Die Abgrenzung zwischen a) und b) ist meist, jedoch nicht immer möglich. ### Vorschlag zur Terminologie - **a) = eigentlicher FVNF:** Beim eigentlichen FVNF ist von einer (gegebenenfalls abzuklärenden) Einsichtsfähigkeit beziehungsweise Freiverantwortlichkeit auszugehen. Es wird empfohlen, die Absicht zu sterben in einer Verfügung niederzulegen. Es erfolgt ein Verzicht, um den Sterbewunsch durchzusetzen. Anders als etwa bei einem Tabletten-Suizid kann man sich in den ersten etwa fünf Tagen zum Weiterleben um-entscheiden, ohne bleibende körperliche Schäden zu riskieren. Dies ist eine wichtige Besonderheit des FVNF. - **b) = uneigentlicher FVNF:** Beim uneigentlichen FVNF gibt es Unsicherheiten bei der Beurteilung, vor allem wenn demente Patienten nicht mehr essen und trinken wollen. Es kann gegebenenfalls ein Verweigern sein, um nun aus dem Leben zu scheiden. ### Ursachen des Sterbewunsches - Schwere unheilbare Erkrankung, deren Ende man trotz bester medizinischer Versorgung nicht abwarten will. - Langjährige unheilbare Erkrankung mit stetig abnehmender Lebensqualität (zum Beispiel Parkinson, Multiple Sklerose, Polyarthrose, Diabetes). - Einschränkungen der Lebensmöglichkeit zum Beispiel durch Amputation, Erblindung. - Zunehmender Verlust der Autonomie und Sorge vor weitgehendem Kontrollverlust. - Die Aussicht, von zuhause in ein Pflegeheim wechseln zu müssen. - Erste Anzeichen einer beginnenden Demenz, die man sich und den Seinen nicht zumuten will. - Kombination mehrerer Faktoren inklusive Verlust einer geliebten Person. ### Praxis **Dauer:** Von wenigen Tagen (bei Schwerkranken, dann aber eventuell Tod dank der Grunderkrankung) bis mehr als drei Wochen, je nachdem, ab wann und wie konsequent nicht nur die Nahrungs-, sondern auch die Flüssigkeitsaufnahme beendet wird. Täglich sollten möglichst nur etwa 50 ml für Medikamenteneinnahme und Mundbefeuchtung aufgenommen werden. Bei radikalem Trinkverzicht von Anfang an sind etwa zehn Tage eine häufige Dauer. **Todesursache:** Nierenversagen führt zum Versagen der Elektrolyt-Regulation; Folge: Herzversagen; Tod immer friedlich im Schlaf. **Ärztliche und pflegerische Betreuung:** Gute Mundpflege ist unverzichtbar, es gibt bislang nichts anderes gegen Durstprobleme. Massnahmen gegen Wundliegen sind oft nötig, ebenso Medikamente für guten Schlaf und gegebenenfalls gegen Aufregung. Es können unter anderem Delir-ähnliche Zustände auftreten, die medikamentös zu behandeln sind. **Totenschein:** In jedem Falle sollte man eine klare Beschreibung des Sterbeverlaufs samt einer schriftlichen Absichtserklärung des Sterbewilligen beifügen. In der Schweiz kreuzen die Ärztinnen und Ärzte bei der Todesursache in der Regel «natürlich» an, weil keine Fremdeinwirkung festzustellen ist und der Sterbevorgang natürlich war. Einige deutsche Juristen sehen dies anders. ### Gesellschaftliche Aspekte Sie reichen von Tabuisierung und Verweigerung der Beihilfe bis zu positiver Bewertung im Sinne eines «natürlichen Sterbens» / «guter Sterbekultur». Allmähliche Akzeptanz in palliativ-medizinischen Kreisen, jedoch meist begrenzt auf Patienten mit schwerer Erkrankung und infauster Prognose. Tendenziell wird FVNF in Alters- und Pflegeheimen umso eher als natürlich angesehen, je älter die betreffende Person ist. ### Literatur - Chabot, B., Walther, C. «Ausweg am Lebensende» (2021), 6. Auflage, mit Praxis-Hinweisen. - zur Nieden, C. «Sterbefasten» (2017/2023), 3. Auflage, mit Praxis-Hinweisen. - zur Nieden, H. u. zur Nieden C., «Umgang mit Sterbefasten» (2019), mit Fallbeispielen. - Kaufmann, P., Trachsel, M., Walther, C. «Sterbefasten – Fallbeispiele zur Diskussion über den Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit» (2022), 2. erweiterte Auflage. ### Webseiten - www.sterbefasten.org – 25 Fallbeispiele sowie ausführliche FAQ - www.sterbefasten.com – vor allem für Beratungen - www.sterbefasten.ch – wissenschaftliche Studien zum FVNF - www.socialnet.de/lexikon/Sterbefasten – auf der Basis des Steckbriefs erstellter Lexikoneintrag - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov – Publikationen auf Englisch bei Eingabe von «VSED» (Voluntarily Stopping Eating and Drinking) ### Stellungnahmen - Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: Positionspapier Freiwilliger Verzicht auf Essen und Trinken - Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben: «Mit Sterbefasten das Leben selbstbestimmt beenden» (2023) Stand: Oktober 2022 / Februar 2024 / November 2024. --- ## Handreichung – https://sterbefasten.org/basiswissen/handreichung **Handreichung «Mit Sterbefasten das Leben selbstbestimmt beenden» – Informationen für die Praxis.** Ende 2022 verfassten Christiane zur Nieden, ihr Ehemann Christoph zur Nieden, Dieter Birnbacher und Christian Walther eine umfassende, dennoch knappe «Handreichung» zum Thema Sterbefasten. PDF-Download: https://sterbefasten.org/uploads/handreichung-final.pdf --- ## Zur Geschichte des Begriffs «Sterbefasten» – https://sterbefasten.org/basiswissen/begriff-sterbefasten Von den Palliativstationen, wo ich in den 1990er-Jahren wiederholt gearbeitet hatte, war mir «Jeûne pour mourir» vertraut. Die deutsche Entsprechung «Sterbefasten» habe ich später spontan in Umlauf gebracht. Urheberrechte beanspruche ich dafür nicht. – R. Harri Wettstein, Philosoph und Unternehmer, Romainmôtier an C.W., Mai 2021. ### Chronologie (Auszüge) - **1929 Kurt von Kamptz:** «Über die vom Sterbefasten handelnden Painna des Jaina-Kanons», religionswissenschaftliche Dissertation, Universität Hamburg. - **1999 R. Harri Wettstein** verwendet in seinem Buch «Sterben zur rechten Zeit» (S. 23/24) den Ausdruck StF: «Hätten wir von östlichen Kulturen, die das Sterbefasten kennen, nicht Ungeahntes zu lernen?» - **2007 Peter Baumann** (Psychiater, Basel; verstorben 2011) kritisiert in «Suizid und Suizidhilfe» (S. 169) Wettsteins Vorschlag und bewertet StF in diesem Kontext als unangemessen; beschreibt StF anschliessend als «ideale Freitodtechnik für Sterbewillige». - **2010/2011 B. Chabot und Chr. Walther** veröffentlichen «Ausweg am Lebensende»; in der 2. Auflage wird «Sterbefasten» als einprägsamer und positiver Begriff eingeführt. - **2016 Christiane zur Nieden** veröffentlicht «Sterbefasten – Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – Eine Fallbeschreibung». - **2018 Frauke Luckwaldt:** «Ich will selbstbestimmt sterben! Die mutige Entscheidung meines Vaters zum Sterbefasten.» - **2019 Sabine Mehne:** «Ich sterbe, wie ich will – Meine Entscheidung zum Sterbefasten.» - **2019 Christiane und Christoph zur Nieden:** «Umgang mit Sterbefasten – Fälle aus der Praxis.» - **2020 Peter Kaufmann, Manuel Trachsel und Christian Walther:** «Sterbefasten – Fallbeispiele zur Diskussion über den Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit» (21 Fallgeschichten). ### Zeitschriften - 2015 Dieter Birnbacher: «Ist Sterbefasten eine Form von Suizid?» Ethik in der Medizin 27 (4), 315–324. - 2017 Sabrina Fehn, André Fringer: «Notwendigkeit, Sterbefasten differenzierter zu betrachten», Schweizer Ärztezeitung 98, 1161–1163. - 2019 Eva Richter-Kuhlmann: «Ärztliche Sterbebegleitung: Kontroverse Sterbefasten», Deutsches Ärzteblatt 116 (41): A-1826. - 2019 Zeitschrift für Medizinische Ethik: Ausgabe 3 des 65. Jahrgangs komplett dem FVNF gewidmet. ### Filme / Videos - 2013 Medienprojekt Wuppertal: «Sterbefasten – Freiheit zum Tod», Dokumentation über Marion M., 52 Min. plus 50 Min. Bonus. ### Websites - 2010 www.sterbefasten.de – erste deutschsprachige Website zum FVNF (Frank Spade/HVD, mit Boudewijn Chabot); bis Ende 2018 online. - 2014 www.sterbefasten.com – deutsche Website, verantwortet von Christiane und Hans-Christoph zur Nieden; Beratung und Aus-/Weiterbildung. - 2016 www.sterbefasten.org – deutschsprachige Website, finanziert von EXIT und der Stiftung palliacura; redaktionelle Verantwortung: Peter Kaufmann und Christian Walther; Sammlung von Fallbeispielen und ausführliche FAQs. - 2018 www.sterbefasten.ch – deutschsprachige Website von Prof. André Fringer, Zürich; Forschungsthemen der Schweizer Forschungsgruppe zum FVNF. Mai, Juni 2021, Marburg und Winznau. Christian Walther, Peter Kaufmann. © 2021 sterbefasten.org. --- ## Empfehlungen zum Umgang mit dem Sterbefasten (VSED) – https://sterbefasten.org/basiswissen/empfehlungen-zum-umgang-mit-dem-sterbefasten 2023 veröffentlichten US-amerikanische Expertinnen und Experten in der Fachzeitschrift Journal of Pain Symptom Management die Empfehlung «Clinical Guidelines for Voluntarily Stopping Eating and Drinking (VSED)». Adressaten sind in erster Linie Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen (gemeinsam «clinicians»). Die Darstellung ist übersichtlich, relativ knapp und gut verständlich. Als hauptsächliche Gruppe von Personen, die durch Sterbefasten vorzeitig aus dem Leben gehen möchten, werden Schwerkranke gesehen, mit deren Tod allerdings nicht schon binnen weniger Tage oder Wochen zu rechnen ist; andernfalls sei Palliative Care bis zum Lebensende gefragt. Explizit einbezogen werden auch Personen, die wegen der Diagnose Demenz ihr Leben bald beenden wollen. Wichtige Aspekte: Freiverantwortlichkeit des Sterbewilligen, gute Vorbereitung auf das Vorhaben sowie Linderung von Durstleiden. a) Ein «Sterbefasten in Demenz» per Vorausverfügung wird nicht besprochen – das Thema sei zu schwierig. b) In der Todesbescheinigung soll als Todesart ein natürlicher Tod und als unmittelbare Todesursache Dehydrierung angegeben werden. Autorinnen und Autoren: Hope Wechkin (Palliative Care), Robert Macaulay (Kinderarzt/Palliativmediziner), Paul T. Menzel (Philosoph), Timothy E. Quill (Palliativmediziner), Peter L. Reagan (Facharzt i.R.), Nancy Simmers (Krankenschwester, death doula, VSED Resources North West). Quellen: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37352942/ ; https://vsedresources.com Anfang 2024 erschienen von der Königlichen Niederländischen Medizinischen Gesellschaft (KNMG) Empfehlungen unter dem Titel «Guide – Caring for people who stop eating and drinking to hasten the end of life» (150 Seiten, englische Fassung verfügbar). 2014 hatte die KNMG eine erste, international einzig dastehende Version veröffentlicht (unter Beteiligung des Psychiaters Boudewijn Chabot); erarbeitet wurden beide Versionen von Expertenkomitees unter dem Vorsitz von Alexander de Graeff; massgeblich beteiligt an der neuen Version war Eva Bolt (Amsterdam UMC). Die Handreichung bietet: Teil 1 eine detaillierte Zusammenfassung der Forschung sowie rechtliche und ethische Aspekte; Teil 2 ausführliche Hinweise zu Vorbereitung und praktischer Durchführung (initial, mittlere und Sterbephase), mögliche medizinische Komplikationen und Medikamente; bei schweren, dauerhaften Problemen wird palliative Sedierung als legitim angesehen (Kap. 4.5). Teil 3 analysiert das «Sterbefasten in Demenz»: Personen, die vorsorglich in ihrer Patientenverfügung festlegen, in fortgeschrittener Demenz vorzeitig sterben zu wollen, indem ihnen keine Nahrung und Flüssigkeit mehr verabreicht wird. Diese Art der Lebensbeendigung kann als vorausverfügte Tötung auf Verlangen bewertet werden; anders als in den Niederlanden wird sie in den deutschsprachigen Ländern als illegal gelten müssen. Quelle: https://www.knmg.nl/actueel/publicaties/publications-in-english – CHRISTIAN WALTHER --- ## Sterbefasten – Chancen und Grenzen – https://sterbefasten.org/basiswissen/chancen-und-grenzen Artikel von Christian Walther. Quelle: Walther, C. (2015) «Sterbefasten – Chancen und Grenzen», palliative ch 2015 (3) S. 18–21. ### Was ist Sterbefasten? Selbstbestimmtes vorzeitiges Sterben durch Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF) findet wohl seit Urzeiten überall auf der Welt statt. Der Begriff «Sterbefasten» wurde im Sanskrit von deutschen Religionswissenschaftlern geprägt und hat sich zuerst dank Peter Baumann (Psychiater, Schweiz) und vor allem durch das Buch «Ausweg am Lebensende» von B. Chabot und Christian Walther durchgesetzt. 2014 erschien eine umfassende Würdigung durch die Königliche Niederländische Medizinische Gesellschaft (KNMG) mit sehr ausführlichen Praxis-Empfehlungen. Wer ohne Kenntnis der wichtigsten Regeln diesen Weg wählt, riskiert, dass dies nicht nur für ihn sehr unangenehm werden kann, sondern auch diejenigen schwer belastet, die ihm beistehen. ### Ist Sterbefasten ein Suizid? Juristisch kann es als Suizid bewertet werden, woraus sich Erfordernisse ergeben, vor allem dass man niemanden unterstützen darf, wenn Zweifel an dessen freiverantwortlicher Entscheidungsfähigkeit bestehen. Es wäre jedoch abwegig zu behaupten, ein Arzt, der palliativ unterstützt, leiste Beihilfe zum Suizid (Bickhardt-Hanke, 2014). Sterbefasten ist kein leichter Weg und nur in fortgeschrittenem Alter zu empfehlen, da in jüngeren Jahren das Durstempfinden schwer zu bewältigen ist. Im Idealfall findet das Sterbefasten – das von einigen Tagen bei Schwerkranken bis etwa drei Wochen dauern kann – in der Umgebung von Angehörigen und Freunden statt und bietet die Chance eines allmählichen, sehr friedlichen Abschiedes. ### Wie sterben, wenn einem Natriumpentobarbital (NaP) nicht gewährt wird? In der Schweiz herrscht eine gewisse Aufbruchsstimmung bei jenen, die Suizidhilfe befürworten (u.a. EXIT-Mitgliederversammlung 2014, Initiative Altersfreitod.ch). NaP oder andere Sterbemedikamente kann man sich über das Internet besorgen – ob legal und ob der Inhalt dem Etikett entspricht, sind beunruhigende Fragen. In den USA und Kanada können Menschen mit Unterstützung von Sterbehilfe-Aktivisten dank Helium das Leben beenden. Sterbefasten ist «todsicher», wird aber von manchen als zu langsam und zu beschwerlich bewertet; dennoch ist zu vermuten, dass diese Option künftig vermehrt in Anspruch genommen werden wird. ### Sterbefasten kann einen guten Altersfreitod ermöglichen Mit einem guten Tod verbinden wir, dass das Sterben nicht qualvoll ist, in weitgehender Harmonie mit den Nahestehenden erfolgt und vom Gefühl begleitet ist, dass «es nun gut» sei. Entscheidet man sich für einen Medikamentensuizid, kann das ganz plötzliche Tot-Sein unharmonisch und schwer fassbar sein. Beim Sterbefasten eröffnet sich die Chance, dass man selbst wie auch die Vertrauten sich im Verlauf immer mehr aufs Sterben hin orientieren – ein im besten Fall harmonischer Bewusstseinswandel. ### Demenz – eine neue «Bürgerpflicht»? In liberalen pluralistischen Gesellschaften sollten die Positionen (sich nicht mit Demenz befassen, sie zulassen oder durch Alterssuizid zuvorkommen) gleichermassen als legitim betrachtet werden (Walther, 2014). Demenz sollte nicht als neue Art Bürgerpflicht bewertet werden. Die Feststellung aus Menzel und Steinbock (2013): Der Wunsch, zu sterben, um eine lange dauernde Demenz zu vermeiden, kann auf tief gründenden Überzeugungen über den Sinn des eigenen Lebens beruhen – und verdient dann Respekt. ### Sterbefasten in Demenz? Wer sich im Anfangsstadium einer Demenz zum Suizid entscheidet, kann nicht sicher sein, dass ihm die Durchführung gelingt; meist ist die Einnahme eines Medikaments realistischer. In fortgeschrittener Demenz wird Sterbefasten unmöglich wegen des Verlusts kognitiver Fähigkeiten und der Einsichtsfähigkeit; man könnte nicht mehr von einem «freiwilligen Verzicht» sprechen. Will man nicht in die «Demenzfalle» geraten, steht man vor dem Dilemma, sich «zu früh» (aber mit sicherer Erfolgsaussicht) oder vielleicht zu spät zu entscheiden. ### Patientenverfügung für Demenz Man sollte nicht fordern, dass ab einem bestimmten Stadium die Basisversorgung mit Nahrung und Flüssigkeit beendet wird: Abschnitt 1 von Artikel 370 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches lautet: «Eine urteilsfähige Person kann in einer Patientenverfügung festlegen, welchen medizinischen Massnahmen sie im Fall ihrer Urteilsunfähigkeit zustimmt oder nicht zustimmt.» Das Zureichen von Nahrung und Flüssigkeit von Hand ist jedoch keine «medizinische Massnahme», sondern eine Komponente der Basisversorgung. Es gibt aber etliche medizinische Massnahmen, die man per PV untersagen kann. Die Gültigkeit von Patientenverfügungen für demente Patienten wird öfters bestritten. ### Sterbefasten in Kliniken, Heimen und Hospizen Generell ist die Bereitschaft anderer, einen zu unterstützen, umso geringer, je weniger man an physischen, schlimmen Leiden «vorweisen» kann. Ärzte haben in Kliniken die Möglichkeit, einen Suizidwunsch selbst dann zu unterstützen, wenn sie die Beihilfe zu einem Suizid mit einem Medikament ablehnen. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin hat die Option des Sterbefastens positiv einbezogen (Nauck et al. 2014). Von Sterbefasten sollte man nicht sprechen, wenn ein Patient auf Wunsch terminal sediert wird und dabei die Flüssigkeitsversorgung beendet wird (Neitzke et al. 2010), denn die Tatherrschaft liegt dann nicht mehr beim Patienten. Wer Sterbefasten als Option in Betracht zieht, sollte sich vor der Aufnahme in ein Heim von dessen Leitung zusichern lassen, dass man ihn dabei gegebenenfalls unterstützen wird. In Hospizen und bei ambulanten Hospizdiensten beschäftigt man sich erst seit kurzem und noch zögerlich mit dem Thema; es wird zu einem Pluralismus der Grundpositionen kommen. --- ## Sterbefasten aus juristischer Sicht – https://sterbefasten.org/basiswissen/sterbefasten-aus-juristischer-sicht **Ist Sterbefasten ein Suizid? Oder ein selbstbestimmtes, natürliches Ableben? Oder eine besondere Form dazwischen?** Lenka Ziegler untersucht in ihrer Dissertation «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit als Form des selbstbestimmten Sterbens» (2022) das aktuelle Thema aus juristischer Sicht. Besonders wichtig ist ihr der «Diskurs zwischen Autonomie und Fürsorge». Sie beleuchtet die juristischen Grundlagen des Arzt-Patienten-Verhältnisses, das Selbstbestimmungsrecht und die Menschenwürde am Lebensende sowie die Situation der Angehörigen und die Rolle von Ärzten und Pflegenden. Sie postuliert, dass auch die meisten psychisch Kranken urteilsfähig sind und sich deshalb zum FVNF entschliessen können. Im zweiten Teil stellt Ziegler den rechtlichen Rahmen vor; vorab schildert sie drei recht ähnlich verlaufende Fallbeispiele, die nur teilweise typisch sind (vergleiche die 25 sehr unterschiedlichen Fallbeispiele im von palliacura geförderten Buch «Sterbefasten»). Sie vertritt die Sichtweise, «die den FVNF als eine eigenständige Form des selbstverfügten Sterbens sui generis betrachtet». Sie bestärkt damit das Vorgehen der meisten Ärzte und Ärztinnen in der Schweiz, die nach einem beendeten Sterbefasten auf der Todesbescheinigung einen natürlichen Todesfall ankreuzen. Anders als bei einem EXIT-Todesfall muss weder Polizei noch Amtsarzt am Totenbett erscheinen. Im dritten Teil listet Ziegler Optimierungsmöglichkeiten auf: verbesserte Aus- und Weiterbildungen im medizinischen Bereich, mehr wissenschaftliche Forschung zum FVNF sowie Möglichkeiten zum Sterbefasten in Altersinstitutionen und Pflegeheimen. PETER KAUFMANN, Erstveröffentlichung: EXIT-Info 4/2023. --- ## Ethische Bewertung – https://sterbefasten.org/basiswissen/ethische-bewertung Eine ethische Bewertung von Dieter Birnbacher, Bioethiker und em. Professor für Philosophie. Artikel aus der Zeitschrift «Humanes Leben Humanes Sterben». Mehr dazu: https://hpd.de/artikel/10237 --- ## Wikipedia-Eintrag «Sterbefasten»: Veraltet und mangelhaft – https://sterbefasten.org/basiswissen/wikipedia-eintrag-mangelhaft Der Wikipedia-Artikel zum «Sterbefasten» – dem Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF) mit der Absicht, vorzeitig zu sterben – ist teilweise veraltet und mangelhaft. Die Autoren veröffentlichen eine Auflistung von Mängeln und Ungenauigkeiten, auch in der Hoffnung auf eine Verbesserung des Artikels. Festgestellte Mängel im Überblick: - Der Eintrag ist stark gefärbt von einem wohl weltanschaulich begründeten Bemühen, das Thema als ziemlich problematisch darzustellen. Lange Zeit war ein Warnhinweis für Suizidgefährdete vorgeschaltet, in dem neben der Telefonseelsorge sogar der Euronotruf empfohlen wurde (führt zu Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei!). - Im Abschnitt «Zum Begriff» werden ausführlich antike Fundstellen, nicht aber die Rolle des FVNF im traditionellen Jainismus erwähnt; Merkwürdigkeiten wie «Lichtnahrung» und «Marasmus» werden aufgetischt. Begriffliche Ungenauigkeiten bis hin zu «Inedia ist auch beim Senizid (!) eine Methode für alte Menschen, um im Opfertod still aus dem Leben zu scheiden.» - Die Aussagen in «Hintergrund» sind weitgehend unstrittig; es fehlen aber Hinweise auf die neuere Literatur. - Zur «Physiologie» werden merkwürdig präzise, aber wenig relevante Angaben gemacht, die kaum belegt sind. - Bei den «Weiteren Symptomen» werden vor allem Phänomene berücksichtigt, die im normalen Sterbeprozess auftreten können, aber nicht unbedingt auch beim FVNF. - Bei «Ethische Bewertungen und gesellschaftliche Akzeptanz» ergibt sich kein kohärenter Überblick; die Frage, ob Sterbefasten ein Suizid oder ein natürlicher Tod ist, bleibt unklar. Der Begriff «Senizid» wird mit Berufung auf einen Buchbeitrag von Dieter Birnbacher verwendet, in dem dieses Thema überhaupt nicht vorkommt. - Bei «Rechtliche Einordnung und Positionen» befasst man sich unter anderem länger und ohne guten Grund mit Patientenverfügung und ausführlich mit dem inzwischen für verfassungswidrig erklärten deutschen § 217 StGB. - Die «Kirchlichen Einordnungen» erwähnen den Katechismus, nicht aber «Samaritanus bonus» (Vatikan 2020) oder die Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz von 2021 (Pastoralkommission Nr. 51). Die EKD hat sich bisher nicht öffentlich zum FVNF positioniert. - Wichtige wissenschaftliche Arbeiten fehlen: etwa die empirischen Befunde der Arbeitsgruppe von Prof. A. Fringer (Zürich) sowie neuere englischsprachige Literatur (Quill, Menzel, Pope und Schwarz 2021; aktualisierte KNMG-Leitlinie 2024). Mai 2021; aktualisiert: September 2023 / Januar 2024 / März 2025. Christian Walther, Peter Kaufmann. --- ## Selbstbestimmt zu Ende leben: Sterbefasten – https://sterbefasten.org/basiswissen/selbstbestimmt-zu-ende-leben-sterbefasten Was ist wichtig bei der Pflege einer Person, die mit Sterbefasten vorzeitig aus dem Leben scheiden möchte? Worauf ist zu achten und was könnte schief gehen? Eine kurze Bestandesaufnahme. **Fallbeispiel Beat:** Der 66-jährige pensionierte Hauswart (Name geändert) erlebte vier Jahre nach der Operation eines Hirntumors einen ersten Epilepsieanfall; der Tumor war zurückgekehrt. Bald wurde Beat bettlägerig, eine mehrteilige Chemotherapie half nicht; geistig war er wach und bei klarem Verstand. Er entschloss sich, nicht mehr zu essen und nicht mehr zu trinken. Der freiwillige und konsequente Verzicht verursachte keine weiteren Leiden. Der Hausarzt begleitete das Sterbefasten. Beat starb nach zwei Wochen, er schlief friedlich ein. **Zentrale Aussagen des Artikels:** - Dr. Alois Haller, Chefarzt Zentrum für Intensivmedizin am Kantonsspital Winterthur (Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin): «Nicht alle Ärzte wissen, wie man einen derartigen Sterbeprozess begleitet.» Die Beratung mit Familienmitgliedern oder anderen Personen des Vertrauens sowie nach Möglichkeit mit einem Arzt muss vor der Entscheidung stattfinden. - **Mundpflege ist besonders wichtig:** Das Durstgefühl ist auf den trockenen Mund zurückzuführen; der Mundbereich muss regelmässig befeuchtet werden. Das Hungergefühl verschwindet relativ rasch (nach etwa vier Tagen), oft mit einem wach und alert erlebten, meist schmerzfreien Zustand, der einige Tage anhält, bevor ein immer tieferer Schlaf einsetzt (Dr. Haller). - **Belastung für das Umfeld:** Wer weiterhin kleine Mengen Flüssigkeit trinkt, verlängert den Sterbeprozess. Die Betreuung ist zeitaufwändig und kann eine seelische Belastung sein. Pflegende stellen oft in der ersten Zeit ein Glas Wasser in Reichweite und bieten gelegentlich etwas an, um ihr Gewissen zu beruhigen und die Dauerhaftigkeit des Willens zu belegen: «Der Wunsch des Patienten auf einen frühen Tod muss wohlerwogen sein und soll nicht einer momentanen Krise entspringen» (Dr. Haller). - **Auch bei Demenzerkrankungen?** Juristische und ethische Voraussetzung ist die Urteilsfähigkeit. Wer ärztlich attestiert noch als urteilsfähig gilt, kann ein Sterbefasten versuchen; meist muss dies zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem noch relativ viel Lebensqualität vorhanden ist. Christian Walther: «Das Sterbefasten kann bei Demenzkranken manchmal gelingen, wenn jemand sich bereits länger mit der Möglichkeit eines präventiven Suizids beschäftigt hat... es besteht aber eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass man seine Entscheidung zum Sterbefasten nicht mehr durchhält, weshalb ein Suizid mit Medikamenten in dieser Situation prinzipiell sicherer ist.» - **USA: Positive, aber auch kritische Stimmen:** Zwei Associations (Compassion and Choices sowie Caring Advocates) klären im Internet auf und werben unverblümt um Spenden. Gegenreaktionen zeigen sich in Negativbeispielen; Walther merkt an, dass nachträglich meist nicht mehr abklärbar ist, ob sich die Pflegenden an die Regeln gehalten haben. - **Gangbarer Weg:** Zumindest in der ersten Woche kann das Sterbefasten abgebrochen werden, ohne dass schwer wiegende und bleibende Folgen zu befürchten sind. Bei einem späteren Abbruch muss mit körperlichen Schäden gerechnet werden. Dr. Haller: «Ein Verzicht auf Essen und Trinken ist ein langsamer und beschwerlicher, aber gangbarer Weg in Richtung eines baldigen Todes.» PETER KAUFMANN, Artikel aus EXIT INFO 3/15, leicht geändert. --- ## Sterbefasten – eine althergebrachte Art – https://sterbefasten.org/basiswissen/sterbefasten-eine-althergebrachte-art Das Sterbefasten hat eine lange Tradition: Was ist beim freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken zu beachten? Welche Probleme ergeben sich? **Fallbeispiel Frau G.:** Die 87-jährige, fast taube und schwer gehbehinderte Frau G. ass am Tag einer Metzgete im Alters- und Pflegeheim W. noch durchs reichhaltige Angebot. Am nächsten Tag verweigerte sie konsequent Essen und Trinken und sagte, sie wolle nun sterben. Ohne sichtbar grosses Leiden starb sie zehn Tage später. **Zentrale Aussagen:** - Die Möglichkeit des Sterbefastens haben alte und/oder kranke Menschen weltweit wohl schon immer spontan gewählt. Auch in Europa war es seit der Antike bekannt. Nach der Jahrtausendwende befassten sich vor allem in den USA, Holland und Deutschland neue Publikationen damit, so das Standardwerk «Ausweg am Lebensende» (Chabot/Walther, ab 2012). «Dass man das Leben nach einer autonomen Entscheidung eines Tages durch Sterbefasten beenden kann (...), wird für manche etwas Befreiendes und Beruhigendes darstellen.» Im deutschsprachigen Raum gibt es bis heute kaum medizinische Untersuchungen zum Sterbefasten. - **Der Vorgang:** Jeder Mensch hat das Recht, die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit zu verweigern. Grundsätzlich gelten die gleichen Bedingungen wie beim assistierten Suizid: Urteilsfähigkeit, keine Fremdbeeinflussung, wohlerwogener und dauerhafter Entschluss – beweisbar etwa dadurch, dass immer ein Glas Wasser in Reichweite steht und die Person dennoch nicht trinkt. In den ersten Tagen kann der Entschluss rückgängig gemacht werden. Bei konsequentem Trinkverzicht produzieren die Nieren nach etwa einer Woche kaum noch Urin; der Fastende wird rasch schwächer und sehr schläfrig. Nimmt er dann etwas Wasser zu sich, beginnen die Nieren erneut zu arbeiten, und es ergeben sich gelegentlich wieder klare Momente für Kommunikation. Je nach Gesundheitszustand stirbt man nach ein bis drei Wochen Sterbefasten. - **Kein grosses Leiden:** Rechtlich liegt es in der Autonomie eines Menschen, die Nahrungsaufnahme und allenfalls auch die künstliche Ernährung abzulehnen. Falls dies ausdrücklich mitgeteilt und – am besten in einer Patientenverfügung – schriftlich festgehalten wird, entfällt die Garantenpflicht von Medizinpersonen und Pflegepersonal. Das Hungergefühl verschwindet meist schon ab dem zweiten oder dritten Fastentag fast völlig. Die Mundpflege ist laut Chabot/Walther «von allen praktischen Massnahmen die wichtigste». Bei Beachtung der wichtigsten Grundsätze verursacht das Sterbefasten kein grosses Leiden; es ist vielmehr eine Möglichkeit, in Würde selbstbestimmt zu sterben. PETER KAUFMANN, Stand 2022 (ursprünglich aus EXIT Info 4/2013). --- ## Vom guten Sterben – https://sterbefasten.org/basiswissen/vom-guten-sterben Besprechung des Buches «Sterbefasten» von Christiane zur Nieden (Heilpraktikerin für Psychotherapie in Münster, ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiterin). Sie beschreibt den Fall ihrer eigenen Mutter, 88 Jahre alt, an Altersgebresten leidend, jedoch an keiner tödlichen Krankheit, die sich Anfang 2010 nach monatelangen Überlegungen entschloss, ihrem Leben mit Sterbefasten ein Ende zu setzen. Christiane zur Nieden: «Jeder wird seinen Tod sterben. Wichtig ist, als Begleiter da zu sein, ein offenes Ohr zu haben, bei Fragen Lösungen oder Ideen anzubieten, den Sterbenden zu unterstützen. Vor allem aber es auszuhalten – auch und gerade wenn er seinen letzten Weg so geht, dass er den Vorstellungen des Begleiters zuwiderläuft.» Im ersten Teil beschreibt, dokumentiert und reflektiert die Autorin den guten Verlauf eines Sterbefastenprozesses; im zweiten Teil vermittelt sie zahlreiche allgemeingültige Tipps aus der Praxis. PETER KAUFMANN --- ## Statt weiterleiden – https://sterbefasten.org/basiswissen/statt-weiterleiden Spätfolgen einer langwierigen Krebstherapie und einer Knochenmarktransplantation machen Sabine Mehne den Alltag zur Qual. Sie bereitet sich nach über 25 Jahren Leiden darauf vor, ihr Leben mit Sterbefasten zu beenden – darüber schreibt sie in ihrem Buch «Ich sterbe, wie ich will». Sabine Mehne, 60-jährig, in Darmstadt lebend, «Langzeitüberlebende nach Knochenmarktransplantation»: 22 Jahre zuvor war eine sehr seltene akute Leukämie (anaplastisches hochmalignes T-Zell-Lymphom) diagnostiziert worden; nach aggressiver Chemotherapie und Knochenmarktransplantation galt sie als geheilt, blieb aber chronisch schwer krank mit schlimmen, schmerzhaften Spätfolgen. Sie wurde Schriftstellerin und Bestsellerautorin, 2004 Mitbegründerin des Netzwerks Nahtoderfahrung e.V. 2019 entschloss sie sich zu einem «Rückzug in die Stille» und zum Sterbefasten. Sie informierte sich umfassend – unter anderem auf der von palliacura betriebenen Webseite sterbefasten.org – und schrieb das im Herbst 2019 erschienene Buch über ihre Entscheidung: eine umfangreiche, über 200 Seiten starke «To-do-Liste». «Ich habe alles gelebt, was es für mich zu leben gab. Alles was jetzt noch ansteht, empfinde ich als Bürde, die ich noch abzuarbeiten habe.» PETER KAUFMANN, erschienen Januar 2020 im EXIT-Info. --- ## In Würde sterben – https://sterbefasten.org/basiswissen/in-wuerde-sterben Was empfindet eine Tochter, wenn ihr Vater mit Sterbefasten sein Leben abschliessen will? Frauke Luckwaldt beschreibt ihre widersprüchlichen Empfindungen und Erfahrungen in ihrem Buch über ihren Vater Claus Rethmann. Claus Rethmann, 87, nicht tödlich erkrankt, aber nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau nach über 60 gemeinsamen Jahren lebensmüde; seit einem Schlaganfall auf stete Pflege angewiesen. Er entschloss sich, in Würde selbstbestimmt zu sterben und zu sterbefasten. Wegen starker Durstgefühle und auf wiederholte Bitten einer Pfarrerin trank er hie und da – etwas zu viel: Sein Sterbefasten dauerte 40 Tage. Tochter Frauke beschreibt das Sterben ihres Vaters aus persönlicher Sicht; die Menschen bewegten sich «auf einem schmalen Grat zwischen Verständnis und Ablehnung». Claus Rethmann: «Hier gibt es genug Menschen, die auf den Tod warten – später. Ich erwarte ihn nicht, ich gehe auf ihn zu – jetzt.» Im Vorwort «Sterbefasten – ein friedliches Ende» stellt der Berliner Notfallmediziner Michael de Ridder «Regeln für eine verantwortliche vorzeitige Herbeiführung des Todes durch Sterbefasten» auf und weist auf juristische Probleme in Deutschland hin. Die Situation in der Schweiz ist völlig anders: Hier gehen Behörden, Ärzte und Palliativinstitutionen juristische Fragen eher pragmatisch denn ideologisch an. Dr. Christian Walther («Die Schwester Der Pfleger» 5/18) ergänzt eine «Anklage und Warnung»: Rethmann flüchtete sich dreimal in vergebliche Anläufe, das Leben auf andere Weise zu beenden; weder war ihm hinreichend klar, dass er statt oft weit mehr als 100 ml nur etwa 50 ml pro Tag trinken darf, noch halfen ihm die Pflegenden, diesen schweren Entschluss konsequent umzusetzen. Erst nach 40 Tagen war er erlöst – etwa doppelt so lange wie sonst häufig. Siehe auch Fallbeispiel 22. PETER KAUFMANN, Erstveröffentlichung Mai 2018 im EXIT-Info 2/18. --- ## Sterbefasten bei Demenz? – https://sterbefasten.org/basiswissen/sterbefasten-bei-demenz Überarbeitete, 4. Version, März 2023. Christian Walther, Peter Kaufmann. Können von Demenz Betroffene durch Sterbefasten vorzeitig aus dem Leben scheiden? Ist ein vorzeitiges Sterben durch den Verzicht auf Essen und Trinken auch in einem späteren Stadium der Demenz noch möglich, wenn dies in einer Patientenverfügung so bestimmt ist? ### Ist assistierter Suizid bei Erkrankung an Demenz möglich? Zur Frage der Freitodbegleitung bei Demenz siehe die Schweizer Sterbehilfeorganisation EXIT (https://exit.ch/freitodbegleitung/sonderfall-demenz/). In Deutschland werden bei der DGHS Demenzerkrankungen als Grund für einen Suizidwunsch akzeptiert. In Österreich besteht wegen der Wartezeiten im Suizidhilfegesetz (seit Anfang 2022) das Risiko, dass jemand durch das Fortschreiten der Demenz in einen Zustand gerät, in dem er nicht mehr freiverantwortlich entscheiden kann. Eine Hausärztin/ein Hausarzt darf die Hilfe aus Wertvorstellungen verweigern, sollte dann aber einen Hinweis geben, an wen sich der Sterbewillige wenden kann. ### Sterbefasten im Frühstadium einer Demenz Es gibt Beispiele (siehe Fall Nr. 21 auf dieser Website), dass diese Form des vorzeitigen Sterbens in einem sehr frühen Stadium der Demenz noch möglich ist – das ist aber keinesfalls sicher. Gegebenenfalls muss der Versuch abgebrochen werden, vor allem dann, wenn die sterbewillige Person nach einigen Tagen nicht mehr versteht, warum sie auf Nahrung und Flüssigkeit verzichten soll. ### Welche Bedeutung hat eine Patientenverfügung bei fortgeschrittener Demenz? Aus den USA kamen Vorschläge (Quill et al., 2021), als noch urteilsfähige Person festzuhalten, beim Fortschreiten der Demenz vorzeitig aus dem Leben scheiden zu wollen, indem andere einem nichts mehr zu essen und zu trinken geben: «Stopping Eating and Drinking by Advance Directive» (SED by AD). In den deutschsprachigen Ländern können in einer PV keine rechtsverbindlichen Forderungen zur Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit gestellt werden, weil PVs nur medizinische, aber keine pflegerischen Massnahmen betreffen. Dennoch ist es sinnvoll, Wünsche zur Pflege in einer PV zu äussern. Drei Konzeptionen solcher Patientenverfügungen werden unterschieden: - a) Sterbenwollen bei Erreichen eines bestimmten Stadiums (z. B. Stadium 5 der Global Deterioration Scale, GDS); - b) Beenden des Anreichens von Nahrung und Flüssigkeit, sobald jemand nur noch durch manuelles Anreichen am Leben erhalten werden kann; - c) Beenden des Anreichens, sobald jemand das Interesse an Essen und Trinken weitgehend oder gänzlich verloren hat – unabhängig von einem bestimmten GDS-Stadium. Wer die Urteilsfähigkeit durch das Fortschreiten der Demenz verloren hat, kann keine Freitodbegleitung mehr erhalten. Das Umsetzen einer entsprechenden PV würde auf eine Tötung auf Verlangen hinauslaufen – in den deutschsprachigen Ländern strafbar, anders als zum Beispiel in den Niederlanden oder Kanada. ### Problematik moralischer Bewertungen Relativ verbreitet ist die Meinung, dass eine PV aus früherer Zeit nicht über einen allmählich entscheidungsunfähig gewordenen Demenzpatienten bestimmen dürfe, wenn dies zu einem vorzeitigen Tod führe. Es besteht das Risiko, dass Festlegungen für den Fall der Demenz später ignoriert werden; daher ist eine Vorsorgevollmacht mit einer absolut verlässlichen Person dringend erforderlich. Die Autoren würden im Fall der Diagnose Demenz dem assistierten Suizid im Zustand der Urteilsfähigkeit den Vorzug geben. ### Möglichkeit der Comfortversorgung Wer den vorausverfügten Patientenwunsch (noch) nicht erfüllen will oder kann, kann auf die sogenannte Comfortversorgung (comfort feeding only) ausweichen: Wer nicht mehr so viel Nahrung zu sich nimmt, wie zum Erhalt des Lebens nötig ist, erhält nur noch gerade so viel, wie es ihm angenehm ist – das führt meist erst im Laufe mehrerer Monate zum Tode. Auf der Grundlage einer PV könnte die Versorgung auch komplett eingestellt werden, so dass der Tod binnen weniger Wochen eintritt. Weiterführende Literatur: «Darum lasst mich fröhlich sterben» (Walther, Palliative Geriatrie 2017/1); «Comfortversorgung und Pflegezieländerung bei Demenzkranken am Lebensende» (Walther/Birnbacher, alzheimer.ch). --- ## Termination by Dehydration – https://sterbefasten.org/basiswissen/termination-by-dehydration Eine schwerkranke Frau möchte ihr Leben durch Sterbefasten vorzeitig beenden: Chefarzt Dr. med. Alois Haller (Kantonsspital Winterthur) beschreibt die Situation aus ärztlicher Sicht. **Fallbeispiel Frau S.:** Frau S. leidet an einem Hirntumor (Glioblastoma multiforme), der vor drei Monaten operativ entfernt wurde, nunmehr rezidivierte und epileptiforme Krampfanfälle bescherte. Sie wünscht zu sterben, auch wenn ihr die Ärzte noch mehrere Monate bei guter Lebensqualität attestieren. **Zentrale Aussagen des Artikels:** - **Definition:** «Termination by dehydration» / «freiwilliger Verzicht auf Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr» bezeichnet das bewusste Enthalten von Flüssigkeit und Nahrung im Sinne einer passiven Sterbehilfe. Der früher einsetzende Tod ist Ziel solchen Tuns und wird ganz bewusst in Kauf genommen. - **Tagtägliche Pflege ist unerlässlich;** die Beratung mit Familienmitgliedern und nach Möglichkeit mit einem Arzt muss vor der Entscheidung stattfinden. Nicht alle Ärzte wissen, wie man einen derartigen Sterbeprozess begleitet. - **Entscheidung im konkreten Einzelfall ist schwierig:** «Der Arzt kann nicht 'das Gute' für seinen individuellen Patienten bestimmen... Im Dialog mit dem Patienten muss 'das Richtige' erarbeitet werden.» - **Der Wille des Kranken ist oberstes Gesetz:** «Voluntas aegroti suprema lex». Der britische National Council for Hospice and Specialist Palliative Care Services versteht unter «terminally ill» Menschen mit aktiver und progressiver Erkrankung, für welche eine kurative Behandlung nicht möglich oder adäquat ist und die den Tod mit einiger Sicherheit innerhalb der nächsten 12 Monate verursachen wird. - Bei gleichzeitigem Verzicht auf Essen und Trinken führt das Sterbefasten bei appetitlosen Krebspatienten oft innert weniger Tage (5–7) zum Tode; bei gestaffeltem Vorgehen dauert es 20–30 Tage. Ein entscheidungsfähiger Patient mit wiederholt geäussertem, wohl überlegtem Sterbewunsch wird heutzutage üblicherweise nicht über die Möglichkeit des Sterbefastens aufgeklärt – ein verständliches Widerstreben von ärztlicher Seite. - **Verlauf:** Das Hungergefühl verliert sich üblicherweise nach etwa 4 Tagen und weicht einem wach und alert erlebten, meist schmerzfreien Zustand, der einige Tage anhält, um anschliessend einem immer tieferen Schlaf Platz zu machen. Manchmal treten Kopfschmerzen auf (gut behandelbar), selten Verwirrtheitszustände (Delir) und Panikstörungen (behandelbar mit Benzodiazepinen wie Midazolam subcutan / Lorazepam, oder tief dosierten Neuroleptika). Von unschätzbarem Vorteil ist ein Arzt, der den Weg begleitet und den Patienten möglichst zweimal täglich besucht. - **Mundpflege** ist intensiv und sorgfältig durchzuführen; das Durstgefühl kommt allein durch die Trockenheit der Schleimhäute zustande. Eiswürfel oder gefrorene Fruchtstücke lindern den Durst ohne grosse Wasserzufuhr; Nasensalbe, feuchte Wickel, sanfte Einreibungen und häufiger Lagewechsel beugen Druckstellen vor. - **Nebenwirkungen werden oft gemildert:** reduzierte Urinmenge, selteneres Erbrechen, weniger Todesrasseln, Verminderung von Ödemen, Pleuraergüssen und Ascites; stimuliert die Ausschüttung körpereigener Endorphine (Euphorisierung, weniger Schmerzen). - **Drei Formen der Sedierung:** Ia intermittierende Sedierung, Ib kontinuierliche Sedierung (Patient erweckbar, Therapien werden fortgeführt), Typ II kontinuierliche Sedierung mit tief komatösem Patienten, ohne lebenserhaltende Begleittherapie, mit bewusstem Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Die Analgesie mit möglicherweise früherem Todeseintritt ist medizinisch-ethisch sinnvoll und juristisch zulässig, wenn die Beschwerden sonst nicht zu beherrschen sind. - **Rechtliches:** In Deutschland ist ärztliche Tötung auf Verlangen verboten, Beihilfe zur Selbsttötung prinzipiell nicht strafbar; den Ärzten wird sie durch das Standesrecht verwehrt. In der Schweiz sind Verleitung und Beihilfe zur Selbsttötung straflos, ausser bei eigennützigem Motiv (Art. 115 StGB). «Der Wunsch des Patienten auf einen frühen Tod muss wohlerwogen sein und soll nicht einer momentanen Krise entspringen.» - **Leidenslinderung ist ein medizinischer Auftrag:** Künstliche Ernährung und Hydratation eines terminalen Patienten gilt aus Sicht zitierter Autoren (Pepersack/Binsbergen) als nutzlose Behandlung; deren Beendigung kann das Gefühl des Wohlergehens stärken. --- ## Selbstbestimmtes, vorzeitiges Sterben (Walther/Birnbacher) – https://sterbefasten.org/basiswissen/walther-birnbacher **Selbstbestimmtes, vorzeitiges Sterben durch Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit.** Begriffliche Vielfalt darf nicht zur Verwirrung führen. Aufsatz von Christian Walther und Dieter Birnbacher im Heft «PflegeRecht», April 2019. PDF-Download: https://sterbefasten.org/uploads/walther-2019.pdf --- ## Rund um die Uhr betreuen – https://sterbefasten.org/basiswissen/rund-um-die-uhr-betreuen Interview mit Dr. med. Andreas Weber, Spezialarzt für Anästhesie, Schmerztherapie und Palliativmedizin in Wetzikon (über 300 palliativ begleitete Patienten pro Jahr). **Kernaussagen:** - Patienten, die durch Sterbefasten sterben, kommen ab und zu vor. Man muss unterscheiden, ob jemand nur mit dem Essen oder auch mit dem Trinken aufhört; Letzteres ist schwieriger, führt aber rascher zum Tod. Bei fortgeschrittenem Krebsleiden ist oft kein Appetit mehr vorhanden, manchmal fehlt auch das Durstgefühl, wenn der Mund regelmässig befeuchtet wird. Generell nimmt die Schwäche zu, man schläft immer mehr bis zum Bewusstseinsverlust; es können Phasen mit Verwirrung/Unruhe und allenfalls Übelkeit durch Nierenversagen auftreten, bei mehrtägiger Bettlägerigkeit Druckstellen. - **Betreuung:** Patienten, die diesen Weg wählen, sollten genauso begleitet werden wie alle anderen – rund um die Uhr sollte jemand bei ihnen sein (Angehörige, Freunde, Nachbarn, Ehrenamtliche koordinieren Präsenzzeiten). Als Arzt sollte man Reservemedikamente verschreiben (Schmerzen, Unruhe, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Schlafmittel), nötigenfalls auch spritzbar. Zweimal tägliche Besuche durch Pflegefachleute sind sinnvoll. - **Angehörige:** Ihre Aufgabe ist nicht die Pflege, sondern die Präsenz: Hand halten, Worte wechseln, den Mund befeuchten, Hilfe holen. Zu Hause ist dieser Weg ohne Angehörige kaum möglich. - **Ethische Probleme:** Grosse Mühe hätte der Arzt, wenn jemand körperlich noch in sehr gutem Zustand ist – das sei ihm zum Glück nie passiert. Wie bei jedem Sterbewunsch müssen die Gründe ausführlich erörtert und Hilfe und Alternativen angeboten werden; es sollte auch eine Person bevollmächtigt werden, bei nicht vorbesprochenen Fragen an Stelle des Sterbenden zu entscheiden. - **Haltung der Ärzteschaft:** Bei unheilbarer Krankheit in fortgeschrittenem Stadium können die meisten Ärzte den Entscheid der Patienten für diesen Weg akzeptieren. PETER KAUFMANN --- ## Sterbefasten und Demenz (alzheimer.ch) – https://sterbefasten.org/basiswissen/sterbefasten-und-demenz Website mit einem Artikel von Viktoria Hug aufgrund eines Gesprächs mit dem Neurobiologen und Autor Christian Walther, palliacura-Stiftungspräsident Peter Kaufmann und Michael Schmieder, Gründer des Demenzzentrums Sonnweid. Mehr dazu: https://alzheimer.ch/magazin/gesellschaft/weltweit/sterbefasten-und-demenz/ --- ## «Hauptsache, es ist ein gutes Sterben» – https://sterbefasten.org/basiswissen/ein-gutes-sterben Interview von Brigitte Teigeler mit dem Neurobiologen Christian Walther in «Pflege zu Hause» (NOVAcura, Hogrefe Verlag, Bern). Mehr dazu: https://sterbefasten.org/uploads/pflegezuhauseteigeler.pdf --- ## Auch Krebskranke fasten, um zu sterben – https://sterbefasten.org/basiswissen/auch-krebskranke-fasten «Auch Krebskranke fasten, um zu sterben – wer tut es noch und warum?» Artikel von Sabine Kuster, CH Media vom 8. Oktober 2019. Mehr dazu: https://sterbefasten.org/uploads/sterbefasten-az-medien.pdf --- ## «Ernst beschliesst zu sterben» – https://sterbefasten.org/basiswissen/ernst-beschliesst-zu-sterben Ein Artikel von Sabine Arnold auf der Website palliaviva.ch. Mehr dazu: http://www.palliaviva.ch/ernst-beschliesst-zu-sterben/ --- ## Alle sprechen vom Sterbefasten – https://sterbefasten.org/basiswissen/alle-sprechen-vom-sterbefasten Artikel zum Thema auf der Website palliaviva.ch – Bericht über eine Tagung. Mehr dazu: http://www.palliaviva.ch/alle-sprechen-von-sterbefasten-aber-kaum-jemand-hat-erfahrung-damit/ --- ## «Durstig» – https://sterbefasten.org/basiswissen/durstig In ihrem unterhaltsamen Roman «Durstig» beschreibt die Basler Journalistin Martina Rutschmann neben zwei Liebesbeziehungen den Wunsch eines alten Mannes, durch Sterbefasten aus dem Leben zu scheiden. Unter anderem erfährt man von der EXIT-Generalversammlung 2015, bei der eine praktische Unterstützung beim FVNF abgelehnt wurde und wo sich palliacura bereit erklärte, Informationen zum Thema Sterbefasten zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Mehr dazu: https://www.zytglogge.ch/9783729609501/durstig --- ## Informativer Beitrag (deinadieu.ch) – https://sterbefasten.org/basiswissen/informativer-beitrag «Sterbefasten: Alternative für selbstbestimmtes Sterben?» Informativer Beitrag von Dr. med. Alois Birbaumer auf der Schweizer Website deinadieu.ch. Mehr dazu: https://www.deinadieu.ch/sterbefasten-ist-es-eine-alternative-fuer-selbstbestimmtes-sterben/ --- ## Expanding End-of-Life Choices – https://sterbefasten.org/basiswissen/expanding-end-of-life-choices Phyllis Shacter beschreibt auf sehr persönliche und berührende Weise, wie ihr Mann Alan Alberts sich 2011 nach einer überstandenen Krebserkrankung und mit der Diagnose Alzheimer entschloss, sein Leben mit Sterbefasten zu beenden. Ihre Erinnerungen an diese schwere Zeit hat Phyllis auch im Buch «Choosing to Die» festgehalten. Mehr dazu: https://www.phyllisshacter.com/ --- ## Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (Deutsches Ärzteblatt) – https://sterbefasten.org/basiswissen/artikel-deutsches-aerzteblatt «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit: Eine ganz eigene Handlungsweise» – Artikel von Jürgen Bickhardt und Roland Martin Hanke im Deutschen Ärzteblatt 14/14. Mehr dazu: https://www.aerzteblatt.de/archiv/158359/ --- ## Folia Bioethica 39 – https://sterbefasten.org/basiswissen/folia-bioethica «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF)», Folia Bioethica 39, Hrsg. von Steffen Eychmüller und Hermann Amstad, mit Beiträgen von Regina Aebi-Müller, André Fringer, Hans Neuenschwander und Rouven Porz, Schweizerische Gesellschaft für biomedizinische Ethik, 2015. Mehr dazu: Broschüre (OneDrive-Link auf der Website) --- ## Artikelreihe (Durstig) – https://sterbefasten.org/basiswissen/artikelreihe Hinweis auf den Roman «Durstig» von Martina Rutschmann (Zytglogge Verlag) zum Thema Sterbefasten, inklusive Bericht über die EXIT-Generalversammlung 2015 und das Engagement von palliacura. (Inhaltlich identisch mit dem Artikel «Durstig».) Mehr dazu: https://www.zytglogge.ch/9783729609501/durstig --- ## Gespräch mit Dr. Albert Wettstein – https://sterbefasten.org/basiswissen/gespraech-mit-dr-albert-wettstein Eva Caflisch im Gespräch mit Dr. Albert Wettstein, ehemaliger Stadtarzt von Zürich. Artikel aus dem seniorweb.ch. Mehr dazu: https://www.seniorweb.ch/knowledge-article/vom-guten-sterben --- ## «Sterben. Wenn der Körper nicht mehr will» – https://sterbefasten.org/basiswissen/wenn-der-koerper-nicht-mehr-will Zur Situation alter Menschen, die nicht mehr essen und trinken wollen. Artikel von Andrea Haefely aus dem «Beobachter» 14/2014. Mehr dazu: https://www.beobachter.ch/familie/altenpflege/artikel/sterben_wenn-der-koerper-nicht-mehr-will/ --- ## 100 Sekunden Wissen: Sterbefasten – https://sterbefasten.org/basiswissen/100-sekunden-wissen Beitrag Radio SRF 2, 7. April 2016. Mehr dazu: https://www.srf.ch/sendungen/100-sekunden-wissen/sterbefasten --- ## 25 Fallgeschichten (Buch) – https://sterbefasten.org/basiswissen/25-fallgeschichten Was geschieht beim Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF)? Wer entscheidet sich dafür, mit Sterbefasten sein Leben zu beenden? Was bedeutet dies für Angehörige, Ärzte und das Pflegepersonal? Ein im renommierten Wissenschaftsverlag Kohlhammer im Herbst 2025 in 3. Auflage erschienenes Buch beleuchtet die Vielfalt der Erfahrungen anhand von 25 Fallgeschichten aus Europa und den USA. Gut lesbare Fachbeiträge vertiefen wichtige Aspekte der aktuellen Diskussion über den FVNF. **Beispiel Fall 7:** Die 88-jährige Starschauspielerin Ellen Schwiers hatte Anfang 2019 nur noch einen Wunsch: «90 möchte ich auf keinen Fall werden. Ich empfinde mich als eine grosse Belastung.» Bewegungsunfähigkeit wegen eines Wirbeleinbruchs und heftiger Nervenschmerzen zwangen sie zur völligen Untätigkeit; sie entschloss sich zum Sterbefasten. Wie sie langsam, in gelassener Stimmung ihr Leben beendete, beschreibt Peter Kaufmann im Fall 7 des Buches. **Weitere Inhalte:** Prof. Manuel Trachsel legt in einem wissenschaftlichen Kapitel die Kriterien und Grundsätze zur Beurteilung der Selbstbestimmungsfähigkeit aus ethischer Sicht fest und untersucht, bei welchen psychischen Erkrankungen sie beeinträchtigt sein kann (Bewusstseinstrübungen und Delirien während des Sterbeprozesses; Bedeutung von vorgängigen Gesprächen, Patientenverfügung und Advance Care Planning). Christian Walther beleuchtet die gesellschaftliche Akzeptanz des Sterbefastens und stellt fest, dass es noch weitgehend eine «Mauer des Schweigens» gäbe; das Buch liefert Fakten zu einer nötigen gesellschaftlichen Diskussion. Aufgenommen ist auch die in den USA diskutierte Frage, ob jemand per Patientenverfügung das Sterbefasten für den Fall einer Demenz vorausverfügen kann. ALOIS BORNER, überarbeiteter Text aus EXIT-Info. --- ## Webkurs «Sterbefasten» (ZHAW) – https://sterbefasten.org/basiswissen/webkurs Einen breiten Überblick über das komplexe Thema Sterbefasten und seine Hintergründe bietet ein neuer Webkurs der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), zusammengestellt von Prof. André Fringer mit einer Arbeitsgruppe, gefördert von der Stiftung palliacura. Am 3. März 2026 wurde das erste Kapitel online gestellt, die weiteren Kapitel folgten im Wochenabstand; voraussichtlich bleibt der Kurs bis Ende 2027 online. **Aufbau des Kurses:** - **Einführung ins Thema:** Begrifflichkeiten und deren Implikationen, auch im Kontext der medialen Diskussion. - **Historische und gesellschaftliche Perspektive:** geschichtlicher und gesellschaftlicher Hintergrund; Verhältnis zum Suizid. - **Körperliche, psychische und soziale Dimensionen:** Differenzierung verschiedener Phasen des Sterbefastens; persönliche Not als Ursache; körperliche Aspekte, Kommunikation und soziale Auswirkungen. - **Perspektiven der Sterbewilligen** und **Perspektiven der Angehörigen:** lebensweltliche Perspektiven, Rollen und Bedürfnisse. - **Professionelle Begleitung und rechtliche Rahmenbedingungen:** bio-psycho-sozial-spirituelles Modell, Rollen und Aufgaben der Fachpersonen, Grenzen und Gefahren der fachlichen Begleitung, ethische Diskussionen (Selbstbestimmung, Autonomie, «Hastened Death»), rechtliche Aspekte aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Webkurs: https://moocs.zhaw.ch/courses/course-v1:ZHAW+STF1+STF25/about --- ## Erfahrungen einer Hospizhelferin (Karin Minuth) – https://sterbefasten.org/basiswissen/erfahrungen-minuth Die Künstlerin und vierfache Mutter Karin Minuth (Jahrgang 1956, Freiburg im Breisgau) begleitet als freiwilliges Mitglied einer ambulanten Hospizgruppe Menschen beim Sterben. Im Frühjahr 2024 kam sie erstmals mit dem Sterbefasten in Berührung und veröffentlichte ihre Erfahrungen im Buch «Letzter Ausweg» (2025, Books on Demand, ISBN 978-3-8192-0790-7). **Der Fall:** Eine 90-jährige, im Kopf noch sehr klare und willensstarke Patientin leidet seit 20 Jahren an Parkinson und möchte nicht als Pflegefall enden. Minuth gewinnt einige andere Frauen für die Begleitung des Sterbefastens; es gelingt eine Versöhnung der Sterbenden mit ihrer Tochter. Die letzten Lebenstage sind für die Patientin gut: Sie leidet physisch wenig und kann bis zuletzt ihre lebensphilosophischen Einsichten niederschreiben. **Anmerkungen von Christian Walther:** Neben bemerkenswerten menschlichen Erfahrungen ist im Buch auch so manches zu lesen, das als esoterisch einzuordnen ist; die Empfehlungen für Vorbereitung und Durchführung bleiben hinter denen anderer Bücher zurück, eine Literaturliste fehlt. Manche Aussagen im Video wären zu hinterfragen – etwa die, es brächen erwiesenermassen etwa 25 Prozent derer, die ein Sterbefasten beginnen, dieses wieder ab. Video: «Begleitung beim Sterbefasten – Karin Minuth erzählt von ihren Erfahrungen» (Reihe Gesundheit Aktiv e.V.): https://youtu.be/Lc5mMTGjVNA --- ## Katholische Stellungnahme zum Sterbefasten – https://sterbefasten.org/basiswissen/katholische-stellungnahme-zum-sterbefasten Zunehmend wird das Sterbefasten auch in deutschen kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen zum Thema. Bisher gibt es weder vom Deutschen Caritas-Verband noch von der Diakonie Deutschland eine Stellungnahme. 2022 hat der Caritasverband Köln eine sehr ausführliche und klare Positionierung zu den ethischen Perspektiven des FVNF im Internet veröffentlicht (PDF auf der Website). Diese unterstützt auch diejenigen, denen die Bewertung des Sterbefastens als Suizid durch die Deutsche Bischofskonferenz Schwierigkeiten bereitet. In einem Anhang werden ausführliche Pflegetipps gegeben; sie gehen in mancher Hinsicht sehr weit und werfen die Frage auf, ob ihnen tatsächlich bereits eine breite Erfahrung mit dem Sterbefasten zugrunde liegt. PDF: https://sterbefasten.org/uploads/Ethische-Perspektiven-FVNF_Juli-2022.pdf --- ## Podcast zum Thema Sterbefasten – https://sterbefasten.org/basiswissen/podcast-zum-thema-sterbefasten In der Podcast-Reihe «Tod, Leben und Transformation» unterhält sich die Basler Traumatherapeutin Bettina Schürch mit dem Oltner Publizisten Peter Kaufmann, Präsident der Stiftung palliacura (seit zehn Jahren Betreiberin der Website «Sterbefasten») und Co-Autor/Mitherausgeber des Buches «Sterbefasten» (Kohlhammer, 3. Auflage Sommer 2025). Peter Kaufmann spricht über Beweggründe und Erfahrungen von Menschen, die sich entschlossen haben, durch den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit ihr Leben zu verkürzen und zu beenden. Verfügbar über den Audio-Feed (Podigee) sowie über Audible, Apple Podcast, Pocket Cast u.a. --- ## Expertenbuch aus USA – https://sterbefasten.org/basiswissen/expertenbuch-aus-usa Unter dem Titel «Voluntarily Stopping Eating and Drinking» hat Oxford University Press 2021 ein sehr ausführliches und höchst kompetentes Werk zum Thema Sterbefasten herausgebracht. Die Autorinnen und Autoren sind seit über 20 Jahren Pioniere dieses Verfahrens. **Erster Teil** behandelt Sterbefasten im eigentlichen Sinn in sechs Kapiteln: 4 Fallbeispiele, ärztlich/pflegerische Aspekte, ethische Fragen, juristische Aspekte, Sterbefasten in Pflegeheimen, bewährte Praktiken/Herausforderungen – derzeit die wohl umfassendste Darstellung auf aktuellem Stand. **Zweiter Teil** behandelt «SED by AD» (Stopping Eating and Drinking by Advance Directive): jemand legt in noch einsichtsfähigem Zustand, gegebenenfalls in der frühesten Phase einer Demenz, fest, dass die Betreuenden ihm in der Spätphase einer Demenz Nahrung und Flüssigkeit vorenthalten sollen, so dass er – optimal medizinisch/pflegerisch betreut – wie beim Sterbefasten vorzeitig stirbt. Die Frage, ob die Unterlassung pflegerischer Tätigkeiten in einer Patientenverfügung rechtsverbindlich geregelt werden kann, wird im Buch implizit bejaht, während dies zum Beispiel für Deutschland gemäss Patientenverfügungsgesetz (§ 1901a BGB) nicht zuträfe. Rezensent Christian Walther sieht das kaum lösbare Dilemma darin, dass Ärzten und Pflegenden zugemutet wird, bei jemandem, den sie seit Jahren liebevoll gepflegt haben, irgendwann den Sterbeprozess einzuleiten. Am ehesten erscheint dieser Weg gangbar, wenn er an die Bedingung geknüpft ist, dass der Patient an Essen und Trinken so gut wie nicht mehr interessiert ist. Quelle: Humanes Leben – Humanes Sterben (HLS), Ausgabe 2022-2, Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, Berlin. Siehe auch: https://www.dghs.de --- # FAQ – Häufige Fragen (Übersicht) – https://sterbefasten.org/faq Die eigens für diese Website erarbeiteten FAQ sind in ihrer Ausführlichkeit weltweit einmalig: fundierte Antworten auf ethische, juristische, psychologische, medizinische und pflegerische Fragen rund ums Sterbefasten – «Ausführlich, weltweit einmalig, kompetent: Dank Ihnen stets auf dem neuesten Stand der Forschung.» (Hinweis auf die Spendenseite.) Die FAQ-Dokumente erstellten Christian Walther und Peter Kaufmann exklusiv für die Stiftung palliacura. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina (2024/2025). ### Themenbereiche der FAQ - **Was versteht man unter dem Begriff Sterbefasten?** (Grundsätzliche Fragen) - **Was geschieht mit mir, wenn ich nichts mehr esse?** (Nahrungsverzicht) - **Was geschieht mit mir, wenn ich nicht mehr trinke?** (Flüssigkeitsverzicht) - **Wie gestalten sich Pflege und ärztliche Betreuung?** (Pflege) - **Wie lange dauert das Sterbefasten?** (Dauer) - **Können psychisch Kranke oder Demenzkranke sterbefasten?** (Demenz) - **Ethische und rechtliche Fragen** (zwei Dokumente) Hinweis: Die Einzel-URL https://sterbefasten.org/faq/sterbefasten (Grundsatz-FAQ) war zum Erfassungszeitpunkt nicht abrufbar; die entsprechenden Inhalte sind im Dokument «FAQ – Ethisch und rechtlich» enthalten. --- ## FAQ: Was geschieht mit mir, wenn ich nichts mehr esse? (Nahrungsverzicht) – https://sterbefasten.org/faq/nahrungsverzicht **Antworten zu medizinischen Fragen und Tipps zu wichtigen Aspekten der Pflege.** Gemeint ist der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF) mit dem Ziel, früher oder rascher sterben zu können. Jede Person, die urteilsfähig ist, kann im Prinzip ihr Leben auf diese Weise vorzeitig beenden. Sterbefasten gilt als humane Form des Sterbens, weil es wenig Leiden verursacht und Sterbewilligen erlaubt, von ihren Angehörigen in gemeinsamer Erfahrung behutsam Abschied zu nehmen. **Zentrale Inhalte:** - Der Wunsch sollte rechtzeitig und in Ruhe mit den Angehörigen beraten und deren Unterstützung eingeholt werden. Angehörige, die nicht zustimmen, sollten später nicht an der Betreuung teilnehmen. Der Entschluss muss unbedingt schriftlich festgehalten werden. Eine Ärztin/ein Arzt des Vertrauens sollte nach Möglichkeit informiert sein. Für Eventualfälle oder die fordernde letzte Phase ist es oft sinnvoll, einen Pflegedienst (in der Schweiz: Spitex) oder ein mobiles Palliativpflege-Team zu verpflichten. - Das Sterbefasten sollte nicht abrupt, sondern nach mehreren Tagen innerer und praktischer Vorbereitung begonnen werden (z. B. Beenden von Gewohnheiten wie häufiger Kaffee-Genuss, da abruptes Aufhören zu Kopfweh führen kann). - **Hunger:** Auch beim natürlichen Sterbeprozess essen Sterbende immer weniger. Nach zwei bis vier Tagen ist der Appetit erloschen; der Körper stellt sich auf den Hungerstoffwechsel ein, vorausgesetzt, es wird auch keine Nahrung über das Trinken zugeführt (zuckerhaltige Getränke rufen erneut Hunger hervor, da die Bauchspeicheldrüse Insulin ausschüttet). - Schon in wenigen Tagen kann Fasten zu positiven Gefühlen führen – durch vermehrte Ausschüttung von Endorphinen (schmerzstillende, stimmungsaufhellende Wirkung). - Der Körper baut zunächst Kohlenhydrate, dann Fett- und Eiweissreserven und schliesslich auch Muskulatur ab. Schwindelgefühle können auftreten (beeinträchtigter Blutkreislauf); Fastende werden zunehmend schwächer und schliesslich bettlägerig; auf regelmässiges Umbetten ist zu achten (Druckstellen). Es gibt auch Verläufe, bei denen sich Bettlägerigkeit lange hinauszögert. - Viele werden zunehmend müder und schlafen viel; im fortgeschrittenen Stadium sind manche zuweilen etwas verwirrt und unruhig – bei einfühlsamer Begleitung und gegebenenfalls palliativem Dienst gut zu bewältigen. - Auch viele Tage nach Beginn kann es noch zu Stuhlgang kommen. Nach Möglichkeit sollte man zu Beginn ein Abführmittel nehmen, weil eine Verstopfung Verwirrungszustände begünstigt. - **Über-/Untergewicht:** Das Sterbefasten kann unabhängig von Über- oder Untergewicht, von Krankheit oder Gesundheit durchgeführt werden. Bei Übergewicht dauert es Erfahrung zufolge ähnlich lange wie bei Normalgewichtigen oder sogar kürzer; bei Untergewicht oft länger (Anpassungen des Körpers, die das Überleben bei Nahrungsmangel erleichtern). ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2024. --- ## FAQ: Was geschieht mit mir, wenn ich nicht mehr trinke? (Flüssigkeitsverzicht) – https://sterbefasten.org/faq/fluessigkeitsverzicht **Antworten zu medizinischen Fragen und Tipps zu wichtigen Aspekten der Pflege.** - **Durst:** Das Durstgefühl begleitet den gesamten Sterbeprozess im Gegensatz zum Hungergefühl, das meist nach ein paar Tagen verschwindet. Das Durstgefühl lässt sich durch eine gute, intensive Mundpflege – die Befeuchtung des Mundraumes und der inneren Schleimhäute – besser ertragen. Die Mundpflege ist eine Hauptaufgabe von Angehörigen/Pflegenden. Ziemlich selten kann der Durst so quälend bleiben, dass es angebracht ist, den Arzt/die Ärztin um ein sedierendes Medikament zu bitten. - **Hilfsmittel:** Wasserzerstäuber, kleine Eiswürfel (z. B. in einem Beutel aus Gaze) – fast alle Flüssigkeiten lassen sich einfrieren (ausser Wasser z. B. Tee, keinen Kamillentee, Kaffee); kein Zucker (gegebenenfalls Süssstoff). An einem nassen Tuch saugen, (zuckerfreie) Bonbons oder Kaugummi lutschen, wenig Rahm mit der Zunge im Mund verteilen, künstlicher Speichel (Gel aus der Apotheke), unparfümierter Lippenbalsam, Luftbefeuchter neben dem Bett. - **Nebenwirkungen:** Erhöhte Harnstoffwerte im Blut, weil die Nieren aus Mangel an Flüssigkeit nicht mehr richtig arbeiten können; das beeinflusst das Zentralnervensystem und führt im Allgemeinen zu Müdigkeit und einer nicht unangenehmen Schläfrigkeit. Möglichkeit von Entzündungen oder Pilzbefall in Mund und Rachen (Kontrolle und gute Mundpflege beugen vor). Trockene Augen (Brennen) – linderbar mit rezeptfreien Augentropfen («künstliche Tränen») oder Augenspray. - **Trinken verlängert den Sterbevorgang:** Wer sich Zeit lassen will, kann dies wünschenswert finden; in mehreren Fallgeschichten wurde oft wochenlang nur auf Nahrung verzichtet. Eine längere Zeit des Sterbefastens ist in der Regel für Sterbewillige gut zu ertragen, kann aber – muss nicht – eine grössere Belastung für Angehörige und Pflegende bedeuten. - **Jüngere Menschen:** Es gibt zu wenige hinreichend genaue Untersuchungen. Eine ältere Studie legt nahe, dass jüngere Menschen Durst schlechter ertragen als ältere. Bei Kaufmann–Trachsel–Walther (2022) betrug das Alter der drei jüngsten PatientInnen 51, 54 und 64 Jahre; besondere Probleme traten nicht auf. Generell sollten Pflegende und Angehörige einem jüngeren Menschen vom FVNF abraten, wenn keine erheblichen Vorerkrankungen bestehen. - **Gestaffelter Verzicht:** Es gibt Fälle, bei denen sukzessive aufs Trinken verzichtet und/oder zwischendurch etwas mehr Flüssigkeit aufgenommen wurde – manchmal, weil der Entschluss noch nicht gefestigt ist. Anfangs relativ viel zu trinken, kann den Weg erleichtern, verlängert aber die Dauer. - **Sprechen:** Ein sehr trockener Mund oder Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute können das Sprechen erschweren – auch deshalb ist gute Mundpflege vielleicht die wichtigste pflegerische Massnahme. - **Urin:** In den ersten Tagen werden noch geringe Mengen Urin ausgeschieden. Gegen Ende färbt sich der nur noch wenig produzierte Urin dunkler, wird flockig und riecht streng – ein Anzeichen dafür, dass es bis zum Tode nicht mehr lange dauert. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- ## FAQ: Wie gestalten sich Pflege und ärztliche Betreuung? (Pflege) – https://sterbefasten.org/faq/pflege **Antworten zu medizinischen Fragen und Tipps zu wichtigen Aspekten der Pflege.** Die Vorstellung, in einer Katastrophensituation verhungern und verdursten zu müssen, ist grauenvoll. Doch beim Sterbefasten gelten andere Bedingungen: Aus Heilfastenkuren weiss man, dass Hungergefühle nach kurzer Zeit fast vollständig verschwinden; oft fällt vor allem älteren Menschen der Verzicht auf Nahrung nicht sehr schwer. Bei konsequentem Verzicht auf Essen und ohne Kohlenhydrate in Getränken ist das Hungergefühl nach zwei bis vier Tagen erloschen. Durstgefühle bleiben meist länger bestehen, können aber durch professionelle Mundpflege gut ertragen werden. **Fragen und Antworten (Kernaussagen):** 1. **Ist es rechtlich zulässig, Nahrung und Flüssigkeit abzulehnen?** Es ist das Recht einer urteilsfähigen Person, Flüssigkeit und Nahrung abzulehnen. Sehr hilfreich kann eine spezifische schriftliche Erklärung der sterbewilligen Person sein. Angehörige und/oder Pflegende können – auch um ihr Gewissen zu beruhigen – in Reichweite ein Glas Wasser stellen und gelegentlich etwas zu essen anbieten, allenfalls nur in den ersten Tagen; wird dies abgelehnt, muss man es unterlassen. Zu bedenken: Der Sterbevorgang verlängert sich, wenn solche Angebote teilweise angenommen werden. 2. **Können Angehörige die Pflege übernehmen?** Ja, grösstenteils, sofern sie sich gut informiert haben. Nicht selten werden Angehörige zu «Anwälten» der sterbenden Person gegenüber Dritten. In der manchmal sehr fordernden Endphase sowie in Notsituationen sollten sie professionelle Hilfe anfordern. 3. **Wie belastend ist das Sterbefasten für Angehörige?** Die Betreuung und Dauerpflege eines sterbenden Menschen ist immer eine zeitaufwändige Aufgabe und kann zu einer grossen seelischen Belastung werden. Im Vergleich mit dem üblichen Sterbeprozess verursacht das Sterbefasten für die Angehörigen in der Regel nicht viel mehr pflegerischen Aufwand. 4. **Wie stehen Ärzte zum Sterbefasten?** Die meisten Palliativmediziner sehen ihre Aufgabe darin, einen Menschen in seiner letzten Lebenszeit sorgsam medizinisch zu betreuen – genau wie bei Patienten, die an ihrer Grunderkrankung sterben. Wenn der Hausarzt aus ethischen oder religiösen Gründen nicht mitwirken will, sollte ein anderer Arzt gesucht werden. 5. **Wie ist die juristische Lage (Suizid/Beihilfe)?** In der Schweiz und in Deutschland sind Suizid und Suizidhilfe legal. Anders in Österreich: Dort wäre angesichts der strengen gesetzlichen Regulierung des assistierten Suizids rein theoretisch möglich, dass jemand einen Fall von Sterbefasten vor Gericht bringt und die Pflege-Unterstützung als Beihilfe zum Suizid bewertet wird – eher unwahrscheinlich. 6. **Sollte ein Arzt von Anfang an einbezogen werden?** Ja, grundsätzlich von Anfang an – er berät vorab bei der Pflege und ergreift bei medizinischen Komplikationen alle notwendigen Massnahmen, damit es nicht zum Abbruch des Sterbefastens kommt. 7. **Wie geht man mit einem Delir um?** Grundsätzlich sollte beim Sterbefasten nie ein Notarzt gerufen werden. Dazu bedarf es vor Beginn einer fachkundigen Beratung zu Symptomen eines Delirs und dem Umgang damit. Ein hyperaktives Delir kann zumindest im Anfangsstadium durch empathische, beruhigende Zuwendung etwas besänftigt werden; dennoch sollte möglichst rasch ein Arzt eingreifen. Ideal: telefonische Erreichbarkeit der Hausärztin/des Hausarztes während 24 Stunden oder Betreuung durch ein spezialisiertes, ambulantes Palliativ-Team. Zu erwägen ist, schon im Voraus ein üblicherweise verwendetes Medikament für ein hyperaktives Delir zu verordnen. 8. **Können Schmerzmittel verabreicht werden?** Ja, es dürfen Schmerzmittel gegeben werden (z. B. bei Kopf- oder Magenschmerzen, Schmerzen durch bewegungsarmes Liegen); in schwierigeren Fällen kann der Arzt auch sedierende Mittel verordnen – wie bei jeder anderen palliativen Begleitung. 9. **Bieten EXIT oder die Stiftung palliacura Suizidbegleitung an?** Nein. EXIT und die Stiftung palliacura sehen die Betreuung von Sterbefastenden in erster Linie als eine Aufgabe im Bereich der Pflege von Sterbenden sowie der Palliative Care. Die nötige umfassende Betreuung meist rund um die Uhr muss in erster Linie von Angehörigen, Ärzten und Pflegepersonal geleistet werden. Sie bieten keine Ausbildungen oder Kurse zur Suizidbegleitung an. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- ## FAQ: Wie lange dauert das Sterbefasten? (Dauer) – https://sterbefasten.org/faq/dauer **Antworten zu medizinischen Fragen und Tipps zu wichtigen Aspekten der Pflege.** - **Generell:** Die Dauer hängt stark von der körperlichen Verfassung ab. Bei konsequentem Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit sterben fast drei Viertel der Menschen innerhalb von 16 Tagen (Chabot/Walther). Wer schwer krank ist, stirbt unter Umständen noch schneller; dann ist kaum zu entscheiden, ob die Todesursache nicht doch die Grunderkrankung war. Die Dauer verlängert sich, wenn die Flüssigkeitsaufnahme kaum eingeschränkt oder normal fortgesetzt wird. - **Differenzierung:** Es kommt auf die örtliche Situation an (heiss/kalt, feucht/trocken) und auf die physische Situation (alt/jung, gesund/krank). Ältere Menschen in normaler Umgebung sterben eher selten schon nach wenigen Tagen. Gesunde, die nur auf Nahrung verzichten, können relativ lange (öfters mehrere Wochen) überleben, wenn sie normal trinken. Wer konsequent sterbefastet, nimmt in der Regel nicht mehr als etwa 50 ml Flüssigkeit pro Tag zu sich (nötig für die Mundbefeuchtung); mehr Flüssigkeit verlängert die Zeit. - **Wassereinlagerungen** (z. B. bei Herzschwäche, Tumoren mit Ascites oder Pleuraerguss) können die Sterbezeit verlängern, weil der Körper von diesem Wasser zehren kann. Ein Arzt entscheidet gegebenenfalls über eine Entwässerung. - **Abbruch:** In Fällen, wo das Sterbefasten nach drei bis vier Tagen abgebrochen wurde, wurden keine Folgeschäden berichtet. Je später der Abbruch, desto eher muss mit bleibenden Schäden (z. B. Nieren, Leber) gerechnet werden. Oft liest man, dass man nach fünf Tagen konsequenten Flüssigkeitsverzichts noch keine Dauerschäden zu befürchten habe; bei Vorerkrankungen und im Alter ist die Gefahr vermutlich grösser. - **Ort:** Am besten zu Hause oder in der gewohnten Umgebung einer Pflegeeinrichtung, mit sorgfältiger Betreuung durch Angehörige, Pflegekräfte und Hausarzt. In der Schweiz sind verschiedene Spitex-Organisationen bereit, Menschen zu Hause mit FVNF zu pflegen. Anthroposophisch geführte Institutionen sind in der Schweiz meistens bereit, kranke Menschen aufzunehmen, die auf Essen und Trinken verzichten wollen. Für Deutschland und Österreich gibt es Empfehlungen der Palliativ-Organisationen, beim FVNF ärztliche und pflegerische Hilfe anzubieten. - **Pflegeheime/Spitäler/Hospize:** Viele (nicht alle) Schweizer Pflegeheime unterstützen Bewohner beim Sterbefasten; einige lehnen ab. Spitäler stehen dem Sterbefasten in der Regel offen gegenüber – es ist das Recht urteilsfähiger Patienten, die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu verweigern. Hospize nehmen prinzipiell keine Patienten auf, die nicht todkrank sind (in Deutschland im Sozialgesetzbuch geregelt). Wer erst während eines laufenden Sterbefastens zum Sterbenden wird, findet oft auch in Hospizen Aufnahme. - **«Lebenssattheit»:** Der Sterbewunsch kann aus dem Bewusstsein einer «Lebenssattheit» entstehen oder die Antwort auf die Diagnose «Demenzerkrankung» sein; dann könnte das Leben noch Monate oder Jahre weitergehen. Die Suche nach Unterstützern kann sehr lange dauern; ein bevollmächtigter Beistand kann sie erleichtern. Bei schier auswegloser Situation könnte sich die Entscheidung für professionelle Suizidhilfe anbieten. - **Alleine sterbefasten?** Dringend abzuraten: Anfangs kommt man alleine zurecht, später wird man zu schwach für die nötige Körper- und vor allem Mundpflege. Man braucht Hilfe von Angehörigen, nahestehenden Menschen oder Pflegepersonal; ratsam ist, von vornherein einen Arzt einzubeziehen. - **Der Tod:** In den letzten Stunden – häufig schon in den letzten zwei bis vier Tagen – ist man meist sehr schläfrig. Der Tod tritt in der Regel vollkommen friedlich ein (Herzstillstand im Schlaf). Auch deshalb wird Sterbefasten als humane Form des Sterbens bewertet. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- ## FAQ: Können psychisch Kranke oder Demenzkranke sterbefasten? (Demenz) – https://sterbefasten.org/faq/demenz **Antworten vorwiegend aus juristischer Sicht.** Ob jemand aufgrund eines schweren körperlichen oder wegen einer schweren psychischen Erkrankung den Wunsch entwickelt, das Leben vorzeitig zu beenden, macht prinzipiell keinen Unterschied. Zu unterscheiden ist zwischen: - relativ stabilen, wohlreflektierten Sterbewünschen von selbstbestimmungsfähigen Personen im Rahmen von langdauernden schweren Erkrankungen, die nicht mehr auf kompetente Behandlungsversuche ansprechen (z. B. chronische behandlungsresistente Depressionen oder Schizophrenien); - Sterbewünschen, die als Symptom einer schweren psychischen Erkrankung entstehen und einer psychiatrischen Behandlung bedürfen (z. B. akute Suizidalität im Rahmen einer schweren depressiven Episode). **Kernaussagen:** - Bei Personen, deren Sterbewunsch nicht Symptom der psychischen Krankheit ist, muss der Wunsch beständig sein und die Konsequenzen müssen der Person wirklich klar sein. Ob der Vorsatz freiverantwortlich getroffen wurde, muss durch wiederholte Gespräche herausgefunden werden – Aufgabe von medizinischen Fachpersonen mit Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen. Der Patientin/dem Patienten sollte schriftlich bescheinigt werden, dass keine Hinweise auf fehlendes Verständnis der Tragweite vorliegen. - Es gibt bislang keine Fallbeispiele, die belegen, dass Sterbefasten bei psychisch schwer Kranken funktioniert; es dürfte recht schwierig sein (oft fehlt das Durchhaltevermögen). Eine niederländische Studie (Bolt et al., 2023) bestätigt dies an einer kleinen Gruppe: Nur eine von fünf Personen kam ans Ziel. - **Demenz:** Patienten mit beginnender dementieller Erkrankung können ein Sterbefasten versuchen; wegen der erforderlichen Urteilsfähigkeit muss dies meist in einer Zeit geschehen, in der noch relativ viel Lebensqualität vorhanden ist. Laut der Studie «Sterbefasten» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) haben gut 5 Prozent der Menschen, die durch Sterbefasten ihr Leben beenden, eine demenzielle Erkrankung. - Das Sterbefasten kann gelingen, wenn sich jemand bereits seit Längerem mit der Möglichkeit eines präventiven Suizids beschäftigt hat und sich früh genug entschliesst. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man die Entscheidung nicht durchhält; möglicherweise vergisst man wiederholt den Vorsatz. - **EXIT-Patientenverfügung:** «Wenn ich (non-)verbal zum Ausdruck bringe, dass ich keine Nahrung und/oder Flüssigkeit zu mir nehmen will, so ist dies zu respektieren und jede Art von Ernährung und/oder Flüssigkeitszufuhr zu unterlassen. Gleichzeitig ist eine ausreichende Sedierung vorzunehmen.» - Bei Zweifeln an der Urteilsfähigkeit muss ein Arzt den Patienten untersuchen und die Urteilsfähigkeit gegebenenfalls attestieren; Schweizer Sterbehilfeorganisationen sehen dies bei Demenzpatienten grundsätzlich als nötig an. Ärzte können sich weigern oder sich Zeit lassen; entscheidet sich der Patient für das Sterbefasten, können gegebenenfalls auch Nicht-Ärzte dessen Urteilsfähigkeit anerkennen. Wer die Mühen des Sterbefastens konsequent auf sich nimmt, erweist in seinem Handeln ausreichende Klarheit und Entschiedenheit. - **Fortgeschrittene Demenz:** Beihilfe zum Sterbefasten ist wegen fehlender Urteilsfähigkeit aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Lehnt ein Patient ohnehin immer wieder Essen und Trinken ab, muss geklärt werden, woran das liegt und ob sich das Problem beheben lässt; erst dann kann entschieden werden, ob man den Patienten sterben lässt, indem man ihm nur noch so viel gibt, wie ihm behagt. Voraussetzung: Die Patientenverfügung verbietet das Legen einer Magensonde. - **Verwirrte Patienten:** Ein schon ziemlich verwirrter Patient versteht irgendwann nicht mehr, wieso er nichts mehr bekommt. Wenn das Sterbefasten bereits länger als eine Woche gedauert hat, ist bei einem Abbruch das Risiko bleibender körperlicher Schäden nicht sicher auszuschliessen. Es erscheint legitim, den Patienten an seinen früheren Vorsatz zu erinnern – aber mit ethischen Grenzen (keinerlei Manipulation!). - **Vorausverfügung:** Vor allem in den USA gibt es Stimmen, die ein Sterbefasten per Patientenverfügung für den Fall späterer Demenz für möglich halten. Rechtlich würde dies sehr wahrscheinlich als vorausverfügte Tötung auf Verlangen bewertet (in deutschsprachigen Ländern verboten), sofern Pflegende dem Patienten, obwohl er noch Appetit hat, Essen und Trinken vorenthalten. Auf jeden Fall kann man in der Patientenverfügung künstliche Ernährung und das Legen einer Magensonde verbieten – diese Vorgabe muss in der Regel befolgt werden. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- ## FAQ: Was versteht man unter dem Begriff Sterbefasten? (Ethisch und rechtlich) – https://sterbefasten.org/faq/ethisch-und-rechtlich **Antworten zu grundsätzlichen Fragen.** - **Begriff:** Wenn eine urteilsfähige Person freiwillig nicht mehr isst und auch mehr oder weniger auf Trinken verzichtet mit dem Ziel, sterben zu können respektive «den Eintritt des Todes zu beschleunigen», nennt man dies in der Alltagssprache oft Sterbefasten. Am Anfang steht wie bei einem rationalen Suizid der wohlüberlegte und über längere Zeit feststehende Entschluss, das Leben vorzeitig zu beenden. - **Weitere Bezeichnungen:** Mediziner im deutschsprachigen Gebiet der Schweiz verwenden oft «terminales Fasten». FVNF = «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit» (in der Medizin bevorzugt; darunter fällt auch das Ablehnen oder Beenden einer künstlichen Ernährung). Im Englischen: VSED = Voluntar(y)ily Stopping Eating and Drinking (heute üblich), früher VRFF = Voluntary Refusal of Food and Fluid; hie und da «Termination by Dehydration». - **Abgrenzung:** Viele todkranke Menschen verspüren kaum mehr Hunger oder Durst und verzichten daher spontan in den letzten Lebenstagen auf Essen und Trinken – man trinkt und isst nicht mehr, weil man stirbt. Wer künstlich ernährt wird, hat das Recht, auf diese Therapie zu verzichten, um sterben zu können; man könnte auch dort von FVNF sprechen, auch wenn dies eher unüblich ist. - **Für wen geeignet?** Im Prinzip für jede urteilsfähige Person. Bei jüngeren Menschen (unter etwa 60) treten wahrscheinlich grössere Durstprobleme auf; Sterbefasten eignet sich besonders gut für alte und kranke Menschen, die selbstbestimmt aus dem Leben scheiden wollen. Voraussetzung ist in jedem Fall Urteilsfähigkeit. - **Ohne schwere Krankheit?** Das ist möglich: ohne zum Tode führende Krankheit müssen Urteilsfähigkeit und ein wohlerwogener, langanhaltender Sterbewunsch vorliegen; manchmal muss abgeklärt werden, ob eine Depression vorliegt. Bei einer Studie der ZHAW hatten fast 30 Prozent der Verstorbenen keine schwere, zum Tod führende Krankheit. - **Statistik:** Laut einer ZHAW-Studie litten die meisten der mit FVNF Verstorbenen an einer onkologischen Erkrankung (mehr als 40 Prozent); knapp 16 Prozent hatten eine neurologische Erkrankung oder waren multimorbid; gut ein Drittel war nicht sterbenskrank. 63 Prozent waren Frauen. Die Lebenserwartung betrug bei fast der Hälfte weniger als vier Wochen. - **Gründe:** Unerträgliche, manchmal palliativmedizinisch nicht gut beherrschbare Schmerzen, Atemnot, andere körperliche Leiden, das Gefühl, dass das Leben nun erfüllt sei; langanhaltende nicht zum Tode führende Leiden (z. B. Lähmungen, Einschränkungen nach Amputation); Angst vor Verlust der Autonomie oder vor dem Pflegeheim; nicht selten: jemand hat vergeblich um Suizidhilfe gebeten und nimmt nun mit dem Sterbefasten als «Ersatzmassnahme» vorlieb. - **Zahlen:** In den deutschsprachigen Ländern gibt es (anders als in den Niederlanden) keine verlässlichen Statistiken. In der Schweiz starben laut einer Studie bei Todesfällen zu Hause oder in Pflegeheimen 1,1 bis 1,7 Prozent durch Sterbefasten. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- ## FAQ: Ethische und rechtliche Fragen (Teil 2) – https://sterbefasten.org/faq/ethisch-und-rechtlich-2 **Kernaussagen:** - **Ist Sterbefasten ethisch und rechtlich erlaubt?** Die über längere Zeit mehrmals geäusserte Entscheidung einer urteilsfähigen Person, dass sie nicht mehr essen und trinken will und sterben möchte, muss in allen deutschsprachigen Ländern respektiert werden. Bei ernstlichen Zweifeln an der Urteilsfähigkeit ist abzuklären, ob eine behandelbare psychische Erkrankung (z. B. Depression) vorliegt. Nur in spezifischen psychiatrischen Sondersituationen kann eine Zwangsernährung zulässig sein (z. B. bei sehr jungen, magersüchtigen Menschen); andernfalls würde eine Zwangsernährung auf eine strafbare Körperverletzung hinauslaufen. - **Ist es als Suizidhilfe einzustufen?** Nein, es handelt sich um Hilfe beim Sterben, nicht um Hilfe zum Sterben: Man tut in diesem Falle nichts anderes, als wenn man Sterbenden hilft, die einer Krankheit (mehr oder minder) ihren Lauf lassen. - **Religiöse Sicht – Katholische Kirche:** Laut Katechismus widerspricht jede Form von Selbsttötung der «Liebe zum lebendigen Gott» und ist eine Sünde; bei Angst vor schweren Qualen sei die «Verantwortlichkeit des Selbstmörders» vermindert (Art. 2282). Der Heilige Stuhl (2020, «Samaritanus bonus») machte keine expliziten Aussagen zum Sterbefasten; die Deutsche Bischofskonferenz positionierte sich jedoch ablehnend zum FVNF, weil sie darin eine bewusste Selbsttötungshandlung sieht (Pastoralkommission Nr. 51, 23.2.2021). Katholiken ist freigestellt, aus barmherzigen Motiven fallweise jemanden beim Sterbefasten palliativ und spirituell zu begleiten, sofern auf jede positive Wertung, die als Werbung interpretiert werden könnte, verzichtet wird (auch Stellungnahme des Bistums Trier 2018). - **Religiöse Sicht – Islam und Judentum:** Bei Muslimen dürfte es eher ablehnende Positionen geben, da es im Islam grundsätzlich kein Recht auf selbstbestimmtes Sterben gibt. Orthodoxe Rabbiner dürften das Sterbefasten generell ablehnen; liberale Rabbiner halten einen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit allenfalls im Rahmen der drei letzten Lebenstage für möglich. - **Religiöse Sicht – Fernöstliche Religionen:** Im Buddhismus wird der Suizid abgelehnt, aber die Wichtigkeit eines «guten Sterbens» betont; Askese gilt als gute Tat (Buddha fastete selbst fast bis zum «Hungertod»). In Indien besteht ein Suizidverbot; FVNF ist für Nicht-Mönche verpönt. Im Hinduismus wird verlangt, Todkranke nicht mehr zu behandeln, sondern sterben zu lassen. Der Jainismus verwirft Suizide generell, sieht aber den FVNF («sallekhana») als radikale Form des Verzichts und bezeichnet das nach längerer spiritueller Vorbereitung durchgeführte Sterbefasten als «Sterben der Weisen» (panditmarana), das positive Auswirkungen auf das Nachtodschicksal hat und sogar den Kreislauf der Wiedergeburten verkürzen kann. ©-Right: Stiftung palliacura, Pontresina, 2025. --- # Fallbeispiele (Übersicht) – https://sterbefasten.org/fallbeispiele Mit dem Fallbeispiel Nr. 25 beenden wir den Aufbau der Fall-Sammlung. Es wird immer wieder Aktualisierungen der vorhandenen Fälle geben; mittelfristig werden voraussichtlich einige der bereits in Büchern beschriebenen Fälle durch andere ersetzt. Nach unserem Wissen ist dies die bislang grösste Zusammenstellung von Fallbeispielen in Kurzform. Das ist auch deshalb bedeutsam, weil relativ wenige wissenschaftlich gut fundierte Berichte oder Studien zur Verfügung stehen. Es laufen Studien mehrerer wissenschaftlicher Arbeitsgruppen zum FVNF/Sterbefasten. **Aktuelles Buch mit Fallgeschichten:** Das 2022 im Wissenschaftsverlag Kohlhammer in erweiterter und aktualisierter Zweitauflage erschienene, von der Stiftung palliacura unterstützte Buch «Sterbefasten» beleuchtet die Vielfalt der Erfahrungen anhand von 25 Fallgeschichten aus Europa und den USA. Flyer: https://sterbefasten.org/uploads/sterbefastenflyer.pdf **Hinweise zum Lesen der Fallbeispiele:** Bei den Fallbeispielen konnte immer nur von einer einzigen Darstellung ausgegangen werden; Weltanschauung, persönliche Erfahrungen und anderes beeinflussten die Schilderungen mal mehr, mal weniger. Beim Lesen dürfte rasch klar werden, dass Sterbefasten kein leichter Weg ist und nicht romantisiert werden sollte. «Vorgeschichten» sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne hohe medizinische Genauigkeit; «Motivation» soll den Hauptgrund erkennen lassen; «Angehörige» steht im Plural, auch wenn es sich nur um eine Person gehandelt hat. --- ## Fall 2 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-2 Alter 83, weiblich, Pflegeheim (NL). Fortgeschrittene Parkinsonsche Krankheit (nicht mehr aufstehen können, Schluckbeschwerden, Verschleimung, soziale Isolierung). Motivation: Sorge vor weiterem gesundheitlichen Niedergang und Abneigung gegen soziale Kontakte in diesem Zustand. Der Arzt konnte wegen fehlender tödlicher Krankheit keine Suizidhilfe in Aussicht stellen. Entscheidung von einem Tag auf den anderen, ohne Konsultationen; der Arzt empfand den Beschluss als Erpressungsversuch. Schwierigkeiten: Schmerzen (nur Paracetamol), Schlafprobleme, Blasen und Schmerzen im Mund. Pflegerische und ärztliche Unterstützung miserabel; Opiatpflaster erst am 10. Tag. Dauer: 11 Tage; ab dem 10. Tag Koma. Die Sterbende empfand den Weg als erniedrigend. Anmerkung: Von einem wohlvorbereiteten Sterbefasten kann keine Rede sein – eine dringende Warnung vor unvorbereiteten Alleingängen. Quelle: Chabot & Walther, 2012. --- ## Fall 3 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-3 Alter 54, weiblich, Krankenhaus (CH). H.R., ehemalige Führungskraft, Darmtumor im 4. Stadium mit Behandlungsmarathon (Bestrahlungen, Chemotherapien, CRS/HIPEC-Operation); 2020 Rezidive, «unheilbar», massives Erbrechen trotz Magensonde. Motivation: «natürliche Beschleunigung» des Sterbens nach einwöchigem Spitalaufenthalt ohne Aussicht auf Beschwerdenlinderung. Entscheidung an einem Wochenende, Chefärztin informiert. Schwierigkeiten: ab etwa dem 6. Tag manchmal Erbrechen, am 7. Tag qualvoller Durst (sie trank nach intensivem innerem Kampf nicht), gesteigerter Bewegungsdrang mit zwei Stürzen. Pflegerische und ärztliche Unterstützung hervorragend (Halbprivatabteilung, Ostschweizer Krankenhaus; 4x tägliche Mundpflege; Dauer-Infusion beendet). Dauer: 12 Tage; friedliches «Hinüber»schlafen. Bewertung: Der langsame und absehbar befristete Sterbeprozess half ihr, «natürlich und überblickbar rasch sterben zu können»; bewusste Verabschiedungen möglich (u.a. 20. Hochzeitstag am 8. Tag). Quelle: Schriftlicher Bericht des Ehemannes 2020. --- ## Fall 4 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-4 Alter 84, männlich, zuhause (AT). Mantelzell-Lymphom seit fünf Jahren; zweite Chemotherapie ohne Erfolg, Lymphom-Metastase im Gehirn schädigte das Sprachzentrum, epileptische Anfälle. Motivation: Verlust der Sprachfähigkeit; ärztliche/medikamentöse Suizidhilfe war in Österreich damals verboten – daher Sterbefasten. Ablauf: sofort kompletter Nahrungsverzicht; Epilepsie-Tabletten erzwangen Wasserzufuhr und verlängerten den Prozess; zunehmende Schwäche, Verschleimung der Atemwege; drei Tage vor dem Tod wurde ein Palliativteam kontaktiert (Lorazepam, Schaumstoffstäbchen zur Befeuchtung, Notfallpräparat, 24h-Notruf). Dauer: 21 Tage. Angehörige: Ehefrau und Tochter unterstützten, waren an der Belastungsgrenze; rückblickend hätten sie sich einen assistierten Suizid gewünscht. --- ## Fall 5 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-5 Alter 58, männlich, zuhause (GB). Tony Nicklinson, Bauingenieur; Locked-in-Syndrom nach Schlaganfall (Kommunikation nur noch durch Augenbewegungen). Motivation: Hilflosigkeit, Furcht vor solcher Existenz im Alter. Sein jahrelanges Ringen mit der englischen Justiz um ärztliche Sterbehilfe blieb erfolglos; er entschloss sich zum Sterbefasten. Schwierigkeiten: Lungenentzündung schon nach wenigen Tagen; eine Patientenverfügung, die das Behandeln einer Pneumonie untersagte, wurde offenbar befolgt. Dauer: 6 Tage; friedliches Einschlafen. Anmerkung: Wegen der Lungenentzündung kann man nicht beurteilen, ob Sterbefasten die Todesursache war; viele Menschen weltweit müssen aus vergleichbaren Situationen – eigentlich gegen ihren ursprünglichen Willen – die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit beenden. Quelle: The Guardian, 22. August 2012. --- ## Fall 6 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-6 Alter 91, männlich, zuhause (CH). D.G., ruhiger, gewissenhafter Mann; Ehefrau glitt in eine Demenz und starb (nachdem sie fünf Tage lang nicht mehr gegessen und getrunken hatte), danach war D.G. erschöpft und lebensmüde; inoperable arterielle Durchblutungsstörung, COPD. Er war bei EXIT, rückte aber der FVNF zunehmend in den Vordergrund und informierte sich gründlich. Entscheidung kurz nach Klinikaufenthalt (Lungenentzündung, grosse Atemnot): klare Ansage an die Tochter; Hausarzt akzeptierte, Glas Wasser wurde ans Bett gestellt. Verlauf praktisch ohne Probleme, kein Durst; Tochter übernahm Mundpflege (Glycerin-Zitronen-Stäbchen), Babyphone, später ständige Präsenz. Dauer: 6 Tage; in der vorletzten Nacht ein beängstigender Verwirrungszustand, dann ruhiger Tod am Nachmittag des 6. Tages. Bewertung: ungewöhnlich gut verlaufen, «darf Mut machen»; die Tochter ist dankbar für die ruhige, würdevolle Atmosphäre. Quelle: Tagebuch der Tochter. --- ## Fall 7 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-7 Alter 76, weiblich, Pflegeheim (NL). Alleinstehende Frau, Wirbelfrakturen, chronische Schmerzen, Vulvodynie; Euthanasie-Antrag abgelehnt. Arzt versprach Unterstützung beim Sterbefasten; die Pflegekräfte reagierten jedoch gänzlich abwehrend – niemand konnte ihren Vorsatz verstehen, alle verweigerten Unterstützung; externe Pflegefachkräfte mussten geholt werden (Nichte und Freundin besuchten sie). Schwierigkeiten: erheblicher Durst, Sprechschwierigkeiten, Rückenschmerzen, Schlafprobleme, Verwirrungszustände; Mundpflege nach allen Regeln der Kunst. Ärztliche Unterstützung: Morphin, dann Midazolam (palliative Sedierung), zuletzt kontinuierliche Infusion; die Patientin schlief fast nur noch. Dauer: 17 Tage; Tod in tiefem Schlaf. Bewertung: Weg körperlich sehr belastend, aber letztlich richtig; die Abwendung der langjährig vertrauten Heimkräfte machte ihr sehr zu schaffen. Anmerkungen zur Sedierung (medizinethischer Beitrag Schöne-Seifert/Birnbacher/Dufner/Rauprich 2023; KNMG 2024 ab S. 92). --- ## Fall 8 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-8 Ehepaar, 90 und 92 Jahre, kurzzeitig angemietetes Haus (USA). Beide sozial engagiert (Presbyterian Church), leidenschaftliche Gärtner. Sie: Hüftbruch, Delirium, gehunfähig; er: Dauerkatheter, spinale Stenose; Vorboten von Demenz. Motivation: eigene Mutter elendig an Knochenkrebs sterben gesehen; beide wollten Siechtum und Belastungen für die Kinder vermeiden. Sie waren seit Jahren über Sterbefasten informiert und dokumentierten ihre Absicht schriftlich; Einvernehmen mit Tochter und Sohn, Hospizorganisation hinzugezogen. Die Heimleitung versuchte, sie auszuweisen (Suizidversuch-Vorwurf); der diensthabende Arzt prüfte die Einsichtsfähigkeit und entschied gegen eine Verlegung; die Kinder mieteten ein Haus. Dauer: er 10, sie 11 Tage; beide starben friedlich im Schlaf. Sohn: «Sie fanden beide den würdigen und friedlichen Tod, den sie sich gewünscht hatten.» Quelle: New York Times, 24.08.2011. --- ## Fall 9 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-9 Alter 74, männlich, Pflegeheim (NL). Parkinson seit 10 Jahren; Ehefrau vor einigen Monaten gestorben. Suizidhilfe verwehrt (Zustand nicht schlimm genug); in einem Parkinson-Journal stiess er auf einen Fallbericht über Sterbefasten. Entscheidung überstürzt direkt nach Weihnachten, während die Ärztin in Urlaub war; keine Aufklärung über Mundpflege; Pflegepersonal beschränkte sich auf das Nötigste; erhebliche Durstprobleme. Nach Rückkehr der Ärztin: intravenös Morphin und Midazolam (4 Tage), sichtliche Besserung. Dauer: 9 Tage; friedlicher Tod im Schlaf. Angehörige: zwischendurch ratlos, fühlten sich im Stich gelassen, endeten aber mit «sehr gute Art, das Leben zu beenden»; Kommunikation zuletzt per Handzeichen. Quelle: DVD-Interviews, Produzent Boudewijn Chabot. --- ## Fall 10 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-10 Alter 56, weiblich, Wohnung der Tochter (D). Unternehmensberaterin, sehr energisch; nach Amöbenruhr (Südostasien) extremer Gewichtsverlust und Schwäche ohne Ausweg. Stiess auf «Ausweg am Lebensende» (Chabot/Walther) und wählte Sterbefasten; Einvernehmen mit der Tochter, Palliativarzt lehnte ab, ein erfahrener Facharzt für Allgemeinmedizin sagte zu. Schwierigkeiten: wiederholt Durst; lutschte oft Eiswürfel (deutlich mehr als 100 ml täglich), was den Prozess verlangsamte. Dauer: 24 Tage; friedlicher Tod im Schlaf. Die Patientin (Marion M.) gab Interviews, «um das Thema Sterben aus der Tabuzone herauszuholen»: «...wenn Menschen ohne Hürden genauer hingucken können, erspart ihnen das enorm viel Leid.» Dokumentation beim Medienprojekt Wuppertal als DVD; manche Mediziner nahmen den Film mit Unbehagen auf. Quelle: Medienprojekt Wuppertal, Arzt, Tochter. --- ## Fall 11 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-11 Alter 86, weiblich, zuhause (D). «Gestandene Frau», früher Krankengymnastin und Atemtherapeutin; fortgeschrittene Osteoporose mit Wirbeleinbrüchen und starken Schmerzen; medikamentöse Dosis ausgereizt, keine erfreuliche Perspektive; künstlerische Tätigkeit (Malen/Werken) bald nicht mehr möglich. Über Internetrecherchen und Beratung durch den Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) auf Sterbefasten aufmerksam; Hausarzt positiv, Angehörige einverstanden. Schwierigkeiten: Schmerzmedikation musste angepasst werden, Durstprobleme durch konsequentere Mundpflege behoben, gelegentlich schlechter Schlaf. Pflege rund um die Uhr (bestehender Pflegedienst, drei Kinder, Antidekubitus-Matratze); fast tägliche Arztbesuche. Dauer: 14 Tage; Tod friedlich im Schlaf; die Patientin bedankte sich mehrfach für die gute Begleitung. Quelle: Klähn, H. (2012), in: Suizidhilfe als Herausforderung, Alibri-Verlag. --- ## Fall 12 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-12 Alter 87, weiblich, Pflegeheim (CH). Liebenswerte Hausfrau, sehr selbstbestimmt, fast taub. Nach Sturz und Rehabilitation im Pflegeheim; schwer gehbehindert (Rollstuhl), Altersdiabetes; Todeswunsch blieb vage bestehen. Nach einem herbstlichen Metzgete-Essen verweigerte sie tags darauf konsequent Essen und Trinken («es sei Zeit»). Tochter und Pflegepersonal versuchten zunächst, sie umzustimmen; Pflegepersonal akzeptierte schliesslich. Mundpflege hätte besser sein können (geschwollene Lippen). Dauer: 10 Tage; friedliches Einschlafen; «ein gutes Sterben, eine Erlösung vom Leiden». Quelle: palliacura – Eine Stiftung von EXIT Deutsche Schweiz; Bericht eines Angehörigen. --- ## Fall 13 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-13 Alter 89, weiblich, zuhause (USA). Energische, in der Gemeinde aktive Frau; altersschwach, fast blind, wiederholt Verwirrtheit («seltsames Verhalten»). Die Familie hatte ihr versprechen müssen, sie vor einem langen Verfall zu bewahren. Sie hatte in einer Patientenverfügung bestimmt, dass der Arzt die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit einstellen dürfe; lieber wäre ihr eine tödliche Spritze gewesen. Man verwarf die Helium-Methode (verbotene Suizidhilfe) und einigte sich auf Sterbefasten. Schwierigkeiten: in den ersten fünf Tagen gelegentliche, nicht schlimme Durstbeschwerden. Sehr kompetente Pflege (Hospizhelfer-Team, ausgebildete Krankenpflegerinnen); Arzt verordnete hospizliche Unterstützung. Dauer: 11 Tage; Koma ab dem 8. Tag, friedlicher Tod. Sohn: «Die letzte Woche ihres Lebens hatte eine Heiterkeit und Tiefe, die jeden berührte.» Quelle: Medical Futility Blog. --- ## Fall 14 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-14 Alter 86, weiblich, zuhause (GB). Jean Davies, jahrzehntelange «Right-to-die»-Aktivistin (Präsidentin der World Federation of Right to Die Societies). Chronische Schmerzen, Ohnmachtsanfälle; «es sei nun an der Zeit». Wollte unbedingt zuhause sterben – keine legale Alternative in Grossbritannien. Familie und Hausarzt unterstützten. Schwierigkeiten: trank immer wieder kleine Schlucke Wasser – der Sterbeprozess verlängerte sich erheblich. Dauer: 5 Wochen; Tod sehr friedlich. Sie selbst: extrem frustriert über die lange Dauer, «eine Hölle auf Erden», intolerable Erfahrung wegen der verweigerten Gesetzgebung. Eine Tochter äusserte öffentlich, sie sei gegen liberale Suizidhilfe-Gesetzgebung; es genüge, dass man sein Leben durch Sterbefasten beenden könne. Quelle: Mitteilung von Michael Irwin. --- ## Fall 15 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-15 Alter 83, weiblich, zuhause (D). Tana Herzberg, Solotänzerin an der Deutschen Oper Berlin und Atemtherapeutin. Generalisierte Arthrose, drohender Verlust der Selbstständigkeit; Untergewicht; schon seit zehn Jahren stand ein Sarg in ihrer Wohnung. Angehörige recherchierten im Internet; Kontakt zum begleitenden Arzt über den HVD; beschäftigte sich eingehend mit «Ausweg am Lebensende». Reibungsloser Ablauf; Schmerztherapie fortgesetzt, kurz vor dem Tod subkutan Morphin. Durchgehend Angehörige anwesend; psychologisch ausgebildete Pflegerin hinzugezogen. Dauer: 13 Tage; friedlicher Tod durch Herzversagen; Stimmung über den gesamten Verlauf sehr positiv. Der naturheilkundlich orientierte Hausarzt war aus ethischen Gründen nicht bereit zu unterstützen. Quelle: Mitteilung des betreuenden Arztes; Tagesspiegel-Artikel vom 03.02.2016. --- ## Fall 16 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-16 Alter 84, weiblich, eigene Wohnung (CH). Klavierlehrerin und frühere Schulpsychologin, sehr selbstbestimmt, hochsensibel; nach Pensionierung Gesundheitsprobleme, dann Schulterbruch auf Eis – «Wenn es Zeit ist zu gehen, sollte man dies tun.» Der Spitalarzt reagierte schroff; eine Ärztin schrieb trotzig ein EXIT-Gutachten mit falscher Depressionsbehauptung; EXIT verlangte ein psychiatrisches Gutachten, was sie ablehnte. Sie entschloss sich fürs Sterbefasten (informiert über eine Freundin und sterbefasten.org), ordnete ihre Unterlagen, schrieb ein Testament und eine Zusatzverfügung (keine Verlegung ins Krankenhaus). Sie pflegte sich bis zuletzt selbst (unter 35 kg Körpergewicht), Mundpflege mit Zitronenstückchen und Mundgel. Eine befreundete Familie hielt Kontakt, übernahm aber keine Pflege (Testamentsbefangenheit). Dauer: 17 Tage. Bewertung nach einer Woche: «wie ein Traum, dass ich so gehen darf, so selbstbestimmt und ruhig»; nach zwei Wochen: «eine Tortur, weil es so lange dauert». Quelle: Telefongespräche von P.K. mit der Patientin. --- ## Fall 17 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-17 Alter 88, weiblich, zuhause (USA). Dominante, sozial engagierte Frau; Karzinom in Mund und Kiefer, Chemotherapie/Bestrahlung erfolglos, Lebenserwartung nur noch Monate. Sie fürchtete Entkräftung und Schmerzen; Arzt und Tochter fanden über das Internet Informationen zum Sterbefasten. Die Kinder waren zunächst bedrückt, akzeptierten aber bald. Organisatorische Schwierigkeiten: ein eilig engagierter Hospizdienst musste erst instruiert werden (schlug fälschlich vor, Essen und Trinken ganz allmählich einzustellen). Sehr gute Betreuung durch Hospizdienst und Töchter, auch bei der Mundpflege. Dauer: 12 Tage; Tod im Schlaf. Die Patientin blühte nach der Entscheidung auf, empfing zahlreiche Besuche und diskutierte entspannt das Sterben. Tochter: «Meine Mutter lehrte uns so vieles ihr ganzes Leben lang, aber vor allem in diesen letzten 12 Tagen.» Quelle: Schaffer et al., Narrative Inquiries in Bioethics 6(2), 2016. --- ## Fall 18 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-18 Alter 81, weiblich, zuhause (USA). Vielseitig interessierte Witwe, lehnte Pflegeheim kategorisch ab; seit Jahrzehnten in einer Right-to-die-Organisation. Stürze mit mehrfachen Knochenbrüchen, dann Schlaganfall mit rechtsseitiger Lähmung; Weiterleben in Abhängigkeit unerträglich (u.a. Toilettengang entwürdigend). Expertin Judith K. Schwarz erklärte, dass nur das Sterbefasten legal möglich sei. Erster Versuch scheiterte am 4. Tag: Die Patientin genoss Besuche, trank, wurde extrem unruhig und entschied sich um. In den folgenden Wochen erkannte sie, dass sich ihre Lage nie bessern würde, und entschloss sich erneut; diesmal fast keine Besucher mehr, bessere Vorbereitung. Unterstützung durch eine erfahrene Betreuerin; Arzt bestand auf einer Verfügung, verordnete geringe Morphin-Dosen. Dauer (zweiter Anlauf): 11 Tage; friedlicher Tod, die Tochter hielt ihre Hand. Quelle: Schwarz, Narrative Inquiries in Bioethics 6(2), 2016. --- ## Fall 19 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-19 Alter 64, männlich, Pflegeheim (D). Ehemaliger Bäcker, wortkarg, seit Jahren im Heim; Gehirnschädigung durch Alkohol (demenzielles Verhalten), Schlaganfall, Inkontinenz; beidseitiger Lungenkrebs mit Metastasen, palliative Betreuung. Kein Appetit mehr seit über einem Jahr; nach einem generalisierten Krampfanfall blieb er meist im Bett und hörte nach und nach mit Essen und Trinken auf – eher spontan, ohne klare Entscheidung; von einem Sterbefasten im Sinne der meisten anderen Fälle kann man hier nicht sprechen. Betreuer stimmte zu; SAPV lehnte eine Beteiligung ab («keine Indikation»). Gute pflegerische Versorgung inkl. kompetenter Mundpflege (alle 1–2 Stunden); Arzt besuchte fast täglich. Dauer: 7 Tage; völlig friedlicher Tod im Schlaf. Grenzfall: möglicherweise begann einfach die Sterbephase; freiwillig war der Verzicht insofern, als er physisch noch hätte essen und trinken können. Quelle: Mitteilung des betreuenden Arztes. --- ## Fall 20 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-20 Alter 85, männlich, zuhause (CH). Gebildeter, vielseitig interessierter Mann, Musiker; nicht sterbenskrank. Sorge vor abnehmender Lebensqualität (Spaziergänge, ÖV, Musizieren, Computer), Angst vor Vergesslichkeit, wollte den Angehörigen nicht zur Last fallen. Angeregt durch Artikel von Albert Wettstein; ein Sohn erzählte ihm von den Fallbeispielen auf sterbefasten.org. Er wählte das Sterbefasten, weil es ein «natürliches» Sterben und intensives Abschiednehmen erlaubt («Schon früher starben manchmal Menschen durch Sterbefasten, ohne grosses Aufsehen»); Sterben mit EXIT konnte er sich nicht vorstellen. Entscheidung nach einem Wachtraum vom Sterben; Patientenverfügung wurde angepasst. Stimmiger Verlauf: Mundpflege (Glyzerin, Butter), Luftbefeuchter; ab zweiter Woche Spitex; Angehörige stark eingebunden (Duschen, Todesanzeige, Musik, Singen, Vorlesen, Enkelkinder einbezogen); Hausarzt bot Unterstützung an. Dauer: 14 Tage; am zweitletzten Tag Unruhe, Sedierung verordnet (war so in der PV gewünscht); ruhiger, zufriedener Tod. «Sein Sterbensweg war für uns sehr traurig, aber auch stimmig und schön. Wir hatten Zeit uns zu verabschieden.» Quelle: Aufzeichnungen des Sterbenden und seiner Kinder; auch in «Umgang mit Sterbefasten» (Mabuse-Verlag, 2019) und «Sterbefasten» (Kohlhammer, 2020). --- ## Fall 21 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-21 Alter 79, männlich, zuhause, zuletzt Pflegeheim (D). Ehemaliger FH-Dozent für Drucktechnik, willensstark, belesen. Milde Epilepsie; erste Anzeichen einer beginnenden Demenz, später Diagnose Alzheimer; Lungenentzündung mit Klinikaufenthalt und Verschlechterung. Etwa ein halbes Jahr zuvor hatte er einen Zeitungsartikel über FVNF ausgeschnitten: «So werde ich es später machen.» Höchstwahrscheinlich begann er gleich nach der Diagnose mit dem FVNF; nach zwei Tagen Sturz und Desorientierung; der Arzt drängte die Ehefrau zum Füttern – ein einziger erfolgloser Versuch. Rasche Zunahme der dementiellen Beschwerden; Pflegeschwester und Heimleiter stellten die Entscheidung in Frage, die Ehefrau hatte keine Vollmacht und keine PV; sie verhinderte dennoch subkutane Flüssigkeitsgabe. Pflege grossenteils durch die Tochter (ehemalige Krankenschwester); am letzten Tag ins Pflegeheim. Dauer: 7 Tage. Es gelang jemandem trotz bereits bestehender, sich rapide verschlimmernder Demenz noch das Sterbefasten – ein sehr spezielles Beispiel, nicht verallgemeinerbar. Quelle: Interviews der Ehefrau. --- ## Fall 22 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-22 Alter 87, männlich, Pflegeheim (D). Maschinenbau-Ingenieur, über 60 Jahre glücklich verheiratet; nach Schlaganfall pflegeabhängig, elektrischer Rollstuhl; Ehefrau starb an Brustkrebs. Er hatte das Gefühl, das Leben bedeute ihm nichts mehr; er hoffte, nach dem Tod wieder mit seiner Frau vereint zu sein; er wollte mit seinem Sterbefasten auch darauf aufmerksam machen, wie schwierig es in einem Heim ist, vorzeitig zu sterben. Er hatte sich über Sterbefasten nicht informiert; die Heimleitung (christliches Heim) akzeptierte, eine Pfarrerin untergrub wiederholt seine Standhaftigkeit. Das Heim kümmerte sich in den ersten Wochen nicht um Mundpflege; er konnte sich lange nicht auf den Trinkverzicht einstellen; Verzweiflung über die lange Dauer, Muskelkrämpfe. Die Ärztin betrachtete den Weg als Suizid und leistete keine Sterbehilfe; erst als er behauptete, Schmerzen zu haben, wurden Morphin-Pflaster verordnet. Dauer: 40 Tage (4–5 Wochen ohne Nahrung); friedlicher Tod nachts. Er fand den fast vollständigen Trinkverzicht «eigentlich unzumutbar» und verglich das mit Folter. Quelle: Frauke Luckwaldt, «Ich will selbstbestimmt sterben!» (2018), mit Vorwort von Michael de Ridder. Hauptbotschaft des Buches: Wer aus guten Gründen vorzeitig sterben will, soll nicht auf Sterbefasten angewiesen sein, sondern legal auf andere humane Möglichkeiten zurückgreifen können. --- ## Fall 23 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-23 Alter 71, männlich, Pflegeheim (CH). Humorvoller, musikalischer Physiotherapeut (Trompete); Hirntumor-OP 7 Jahre zuvor, dann Epilepsieanfälle, ständig bettlägerig und verkrampft; konnte nicht mehr musizieren, fand das Leben sinnlos. Informierte sich per Computerrecherchen und wählte Sterbefasten, weil man langsam Abschied nehmen könne; ein abrupt erfolgender Suizid mit Sterbeorganisation «würde nicht zu ihm passen». Heimleitung und Pflegepersonal (christliche Grundhaltung) akzeptierten nach anfänglichen Bedenken; die Lebenspartnerin fand sich ab. Schwierigkeiten: Durst; bei Besuchen trank er fast täglich mindestens ein Glas Weisswein, was die Dauer verlängerte. Gute Mundpflege durch das Personal; Hausarzt betrachtete Sterbefasten als besondere Form des Suizids, kam aber seiner ärztlichen Pflicht nach. Dauer: 18 Tage; leichte Sedierung an den letzten beiden Tagen; friedliches Einschlafen. Die frühere Liebenswürdigkeit des Patienten kehrte nach Beginn zurück – die Angehörigen waren dankbar für die intensive Zeit des Abschiednehmens. Quelle: palliacura; Bericht eines Freundes. --- ## Fall 24 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-24 Alter 71, weiblich, zuhause (D). Sehr energische, selbstbestimmte Frau (Magister in Politologie, IG BCE); COPD seit dem 53. Lebensjahr, mit Sauerstoff wollte sie nicht leben; studierte Bücher über Sterbehilfe. Mit 70 Jahren Schlaganfall mit Halbseitenlähmung rechts; während der Reha Sturz mit Prellungen, Muskulatrophie, keine Aussicht auf Erholung: «Nun wusste sie: Es ist so weit.» Mann und Freunde volles Verständnis; der Arzt versprach Unterstützung. Schwierigkeiten: beherrschte den Durst nur schwer, trank längere Zeit ca. 250 ml täglich, wurde ungeduldig; nach gut drei Wochen Arzt gerufen, der Opiate und ein Benzodiazepin verordnete (Fentanylpflaster, leichte Opiate); damit liess sich der Durst lindern, die Flüssigkeitsaufnahme auf ca. 50 ml/Tag reduzieren. Keine professionelle Pflege; Mundpflege mit Lippenbalsam und Eiswürfeln selbst. Dauer: 39 Tage; Tod an einem Vormittag im Schlaf. Sie hatte nie Zweifel; nach der langen «Durststrecke» war sie guter Laune. Sie war DGHS-Mitglied; im Sterbefasten sah sie mehr als eine zweitbeste Möglichkeit und verschenkte das Buch darüber mehrfach. Quelle: Interview des Ehemannes mit Christian Walther, Herbst 2019. --- ## Fall 25 – https://sterbefasten.org/fallbeispiele/fall-25 Alter 89, männlich, zuhause (D). Sehr selbstbestimmter, wortkarger Berufsschullehrer; Prostata-Karzinom (OP mit Impotenzfolge), Hüftoperation, Schwerhörigkeit, nachlassende Kräfte, Schlaganfall mit Halbseitenlähmung (Rollator). Bei erneuten heftigen Bauchschmerzen (Metastasen-Verdacht) erklärte er, sein Leben beenden zu wollen; der Arzt lehnte «Hilfe» ab. Wegen der Schmerzen konnte er kaum noch essen; Entscheidung zum Sterbefasten ganz allein. Familie willigte diskussionslos ein, der Arzt sagte Unterstützung zu, ein Pflegedienst wurde hinzugezogen. Die Töchter pflegten mit viel Liebe (ausgiebige Mundpflege – Probleme mit Mundtrockenheit gab es keine; Fussmassagen). Keinerlei Schwierigkeiten. Der Arzt gab am Abend des vorletzten Lebenstages eine Morphium-Spritze (zur Verhinderung möglicher Unruhe) und wiederholte dies am letzten Tag. Dauer: 9 Tage; friedlicher Tod am späten Abend. Die Familie empfand Entscheidung und Verlauf als stimmig. Anmerkung: Eine Morphin-Gabe gegen Ende des Sterbefastens ist nicht selten; gegen Unruhe hätte auch Benzodiazepin gegeben werden können. Quelle: Interview der beiden Töchter mit Christian Walther. --- # Stiftung – https://sterbefasten.org/stiftung **palliacura** ist eine unabhängige, gemeinnützige, schweizerische Stiftung mit Sitz in Pontresina, ursprünglich gegründet 1988/89 von EXIT (Deutsche Schweiz). - **palliacura** fördert Institutionen, die im Gebiet der palliativen Medizin und Pflege tätig sind, sowie Forschungs- und Ausbildungsprojekte in den Bereichen Palliativmedizin und Sterbehilfe. - **palliacura** unterstützt Institutionen und ausgesuchte Projekte, die sich mit Fragen der Selbstbestimmung, mit der Schmerzlinderung und ganz allgemein mit der Situation der Menschen in der Endphase des Lebens befassen. - **palliacura** setzt sich ein für eine bessere Ausbildung von Ärzten und Pflegenden in der Palliative Care. Mehr zu palliacura: http://www.palliacura.ch/ Impressum: https://sterbefasten.org/stiftung/impressum --- # Spenden – https://sterbefasten.org/spenden «Jede Spende hilft, sterbefasten.org aktuell zu halten.» Auf der Website finden Sie Informationen und zahlreiche, gut lesbare Fachartikel zum Thema «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit». Besonders wichtig sind die eigens für diese Website erarbeiteten, in ihrer Ausführlichkeit weltweit einmaligen FAQ. palliacura finanziert und betreibt sterbefasten.org seit 2014. **palliacura** ist eine gemeinnützige Stiftung; in der Schweiz sind Spenden steuerlich abziehbar. 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Die inhaltlich weitgehend überlappenden Antworten finden sich im Dokument «FAQ: Ethisch und rechtlich» (https://sterbefasten.org/faq/ethisch-und-rechtlich). - Die Seiten https://sterbefasten.org/basiswissen/links und https://sterbefasten.org/stiftung/kontakt-danke sind in der Sitemap aufgeführt; die Links-Rubrik wird oben zusammengefasst, die Kontakt-Danke-Seite ist eine Bestätigungsseite des Kontaktformulars. - Die Seite https://sterbefasten.org/fallbeispiele/qqqq ist in der Sitemap gelistet, jedoch offensichtlich ein Platzhalter ohne redaktionellen Inhalt. - Alle Inhalte dieser Datei stammen aus öffentlich zugänglichen Seiten von sterbefasten.org (Stand der Erfassung: 19. August 2026) und wurden deskriptiv – ohne eigene medizinische oder rechtliche Empfehlungen – aufbereitet. Diese Datei ersetzt keine ärztliche, pflegerische oder rechtliche Beratung.